Finck-Clan : Der Spender aus der Schweiz

August von Finck hat der FDP 1,1 Millionen Euro geschenkt. Der Ex-Bankier ist stramm konservativ.

Thomas Magenheim

München - Sie sind eine mysteriöse Familie. Die wenigsten Angaben und Anekdoten, die über den Milliardärsclan von Finck kursieren, sind nachprüfbar. Der dem Adelshaus zugeschriebene Wahlspruch – „die Öffentlichkeit erfährt nur, was sie erfahren soll“ – ist dagegen erlebbar. Wer bei der finckschen Hauptverwaltung in München anruft, erfährt erst einmal – nichts. „Man wird Sie zurückrufen“, sagt die reservierte Dame am Telefon. Einen Sprecher gebe es nicht, auch keine Homepage. Äußerst diskret handhabt die Familie den Kontakt nach draußen. Das gilt auch für das bekannteste Mitglied, den 79-jährigen August Baron von Finck. Er hat der FDP kürzlich 1,1 Millionen Euro gespendet – als Dankeschön für die Senkung der Mehrwertsteuer im Hotelbereich, wie die Opposition argwöhnt.

Allein sein Privatvermögen wird auf 4,6 Milliarden Euro geschätzt. Dazu kommt das Geld des Familienstamms um den verstorbenen Bruder Wilhelm, das bei 1,7 Milliarden Euro vermutet wird. Die Fincks zählen noch immer zu den 100 reichsten Familien der Welt, obwohl ihre jüngsten Transaktionen keinen guten Ruf genießen und die Krise auch an ihrem Vermögen gezehrt haben dürfte.

Geschaffen hat das Imperium im vorigen Jahrhundert Wilhelm Peter Finck rund um die Keimzelle der Privatbank Merck Finck in München. Er hat auch die Versicherer Allianz und Münchener Rück gegründet. Gemehrt wurde das Vermögen unter seinem Nachfolger August Georg Heinrich Baron von Finck. 1905 wurde die Familie in den Adelsstand erhoben. Im Nationalsozialismus spielte der Clan als Unterstützer Hitlers eine fragwürdige Rolle. Im Zuge der Arisierung jüdischer Institute verleibte er sich zwei Banken ein: Dreyfus in Berlin und Rothschild in Wien. Nach dem Krieg kam die Familie bei der Bodenreform glimpflich davon.

Die reichsten Deutschen, so wie ihre Ahnen, sind die Fincks nicht mehr. Schätzungen zufolge sind sie auf Rang acht zurückgefallen. Mutmaßlich um die Milliarden vor dem Zugriff des deutschen Fiskus in Sicherheit zu bringen, siedelte Familienoberhaupt August von Finck in die Schweiz über. Im Kanton Thurgau residiert er standesgemäß im Schloss Weinfelden. Die deutschen Besitztümer wurden zuvor versilbert. 1990 hat August seine hierzulande einst drittgrößte Privatbank für eine dreistellige Millionensumme an die britische Barclays Bank verkauft.

Investiert hat die Familie ihr Geld in der Schweiz bei der Mövenpick-Gruppe, dem Mischkonzern Oerlikon-Bührle, dem Maschinenbauer Von Roll, Alusuisse oder der Prüfgesellschaft SGS. Anteile hielt sie auch an einem Konsortium, das durch hohe Mietforderungen an den Pleitekonzern Arcandor von sich reden machte.

Kritiker sagen, dass der heutigen Finck-Generation das geschäftliche Talent der Ahnen fehlt. So sei die Münchner Traditionsbrauerei Löwenbräu vom Clan vor einigen Jahren an den Rand des Ruins getrieben worden. Auch beim Mövenpick-Einstieg folgte seinerzeit eine Krise. Heute überlässt Ex-Bankier August das Geschäftliche immer mehr seinen Söhnen August-Francois und Luitpold-Ferdinand, zweien der vier Kinder.

Während der Finck-Clan der deutschen Wirtschaft den Rücken gekehrt hat, ist ihm die heimische Politik immer noch etwas wert. Nicht zum ersten Mal greift August von Finck einer Partei unter die Arme. Früher hat die CSU von seinem Reichtum profitiert, in den 90er Jahren die rechtsgerichtete Splitterpartei Bund Freier Bürger. Auch für eine Kampagne gegen den Euro hatte Finck Geld übrig.

Eine erzkonservative Grundhaltung ist dem Senior, der einmal Landwirt werden wollte, fraglos eigen. Bankier Ferdinand Graf von Galen urteilt pointiert: „Rechts vom Gustl steht bloß noch Dschingis Khan“, meinte er einmal. Nicht die Mongolen sind es aber, die derzeit sein Milliardenerbe und das seines Neffen Wilhelm bedrohen. Das Duo nachträglich enterben zu lassen, versucht Halbbruder Helmut von Finck vor einem Münchner Gericht. Der früher drogensüchtige 50-Jährige hatte sich 1985 mit 33 Millionen Euro abfinden lassen und das Vermögen fast komplett den Brüdern überlassen.

Heute behauptet Helmut, damals nicht geschäftsfähig gewesen zu sein. Zudem hätten die Brüder mit dem Verkauf der Privatbank Merck Finck gegen den Willen ihres Vaters verstoßen und so ihr Erbe verwirkt. So kennt die Industriellenfamilie derzeit wohl größere Probleme als die Millionenspende an die FDP.

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