Wirtschaft : Firmen wollen selbst Arbeitslose weiterbilden Handelskammern: Staat soll für Qualifizierung zahlen

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Berlin (ce). Die Weiterbildung von Arbeitslosen soll nach Vorstellungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) stärker in die Unternehmen verlagert werden. Arbeitslose sollten in Zukunft Gutscheine erhalten, die sie direkt bei Unternehmen oder auch bei Bildungseinrichtungen einlösen könnten, forderte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Montag in Berlin. Die Betriebe sollten die Arbeitslosen mit dem Ziel qualifizieren, sie im Anschluss auch in ein Beschäftigungsverhältnis zu übernehmen. Die Kosten für die passgenaue und betriebsnahe Qualifizierung solle der Staat zumindest zum Teil übernehmen, forderte Wansleben. Den Wunsch nach mehr Fortbildung in den Unternehmen unterstützen auch die Gewerkschaften. „Wir haben zu wenig Scharniere zwischen der betrieblichen Personalpolitik und den Arbeitsämtern“, sagte die stellvertretende DGB-Chefin Ursula Engelen-Kefer.

Nach Absicht von Wansleben wäre es sinnvoll, gerade Personalabteilungen größerer Unternehmen in engeren Kontakt mit den Arbeitsämtern zu bringen. In einer DIHK-Umfrage bei mehr als 10 000 Unternehmen äußerten fast drei Viertel der Befragten den Wunsch an die Arbeitsämter, keine ungeeigneten Bewerber mehr geschickt zu bekommen. Weil die Unternehmen nicht den Eindruck hätten, dass die Arbeitsämter ihnen bei der Suche nach Arbeitskräften helfen könnten, würden sie auch nicht alle freien Stellen melden. „Das ist ein Teufelskreis“, sagte Wansleben. Deshalb müsse auch die Bundesanstalt für Arbeit vollständig „umgekrempelt“ werden. Eigenständige Agenturen für Arbeitsvermittlung „außerhalb des Behördenapparats“ und in Wettbewerb zu den privaten Arbeitsvermittlern müssten die Vermittlung von Arbeitslosen übernehmen. Es sei sinnvoll, dass sich die Vermittler auf bestimmte Branchen oder Berufsgruppen spezialisierten. Die Vermittlungseffizienz werde so gesteigert und die Dauer der Arbeitslosigkeit verkürzt.

Das Gutscheinmodell der Bundesregierung, das Arbeitslosen ermöglicht, private Vermittler anzuheuern, wertete der DIHK als wichtigen Reformschritt. Auch wenn in den ersten Monaten noch nicht besonders viele Vermittlungsgutscheine in Anspruch genommen worden seien, müsse man erst einmal geduldig sein. Die Obergrenze von 2500 Euro solle aber flexibler gehandhabt werden, um schwer Vermittelbaren den Weg in den ersten Arbeitsmarkt zu öffnen.

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