Firmensanierung : Die Merckle-Gruppe zerbricht

Nach dem Freitod von Firmengründer Adolf Merckle läuft die Sanierung seiner Unternehmensgruppe weiter. Von ihren Gläubigerbanken erhielten die Merckle-Firmen einen Überbrückungskredit.

Medikamente
Abfüllstation für Medikamente. Hersteller Ratiopharm wechselt den Besitzer. -Foto: ddp

Düsseldorf - Um die Finanzierung neu zu strukturieren, sei die Familie Merckle mit den Banken ferner übereingekommen, den Generikahersteller Ratiopharm zu veräußern, hieß es in einer Mitteilung. Ratiopharm war 1973 von Adolf Merckle gegründet worden. Mit einem Umsatz von 1,8 Milliarden Euro ist die Firma einer der größten Generikahersteller weltweit. Von den knapp 5500 Ratiopharm-Beschäftigten arbeiten 2850 in Deutschland.

Nach Informationen aus Bankenkreisen erhalten Merckle-Firmen mehr als 400 Millionen Euro an neuen Krediten. Die Mittel werden im Wesentlichen von den bisherigen Hauptgläubigern der Gruppe gestellt, das heißt von Commerzbank, LBBW, Royal Bank of Scotland, Helaba und Deutscher Bank. Kurz vor Jahresende hatten die insgesamt mehr als 30 Gläubigerbanken bereits ein Stillhalteabkommen für die Verbindlichkeiten unterzeichnet, das bis 31. März läuft.

Insgesamt sind die Holdingfirmen von Merckle mit etwa fünf Milliarden Euro verschuldet – bedingt vor allem durch die kreditfinanzierte Übernahme des Baustoffkonzerns Heidelberg Cement sowie zu einem geringeren Teil durch fehlgeschlagene Spekulationen mit der VW-Aktie. Der Sanierungsfahrplan sieht nun vor, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ein Gutachten für die Merckle-Firmen erstellt. Wenn die Firmen sanierungsfähig sind, sollen die Verbindlichkeiten ab März durch einen Sanierungskredit abgelöst werden. Dieser Kredit wiederum soll durch den Verkauf von Ratiopharm sowie weiterer Beteiligungen getilgt werden. So gehen Banker davon aus, dass sich die Gruppe auch von einem Großteil ihrer knapp 80-prozentigen Beteiligung an Heidelberg Cement und möglicherweise auch von der Phoenix-Gruppe, dem zweitgrößten Pharmahändler in Europa, trennen muss.

In den äußerst schwierigen Verhandlungen mit den Gläubigerbanken zeichnete sich bereits seit Wochen ab, dass Adolf Merckle die Kontrolle über seine Unternehmen verlieren würde. Und es war offenbar vor allem diese Perspektive, die den 74-jährigen Unternehmer am Montagabend veranlasste, sich das Leben zu nehmen. Er habe alles geordnet hinterlassen, berichten Personen, die mit den Verhältnissen vertraut sind. Seinem Sohn Ludwig Merckle stellte er eine Generalvollmacht aus. Allerdings sehen die Vereinbarungen mit den Banken vor, dass Ludwig Merckle aus der Geschäftsführung der VEM ausscheidet, die wiederum 100 Prozent an Ratiopharm hält.

Welche Vermögenswerte bei VEM und anderen Merckle-Holdingfirmen am Ende noch verbleiben, wird vom Verkaufserlös der Firmen abhängen. Die Beteiligung an Heidelberg Cement ist auf Basis des aktuellen Aktienkurses noch etwa 3,3 Milliarden Euro wert. Ratiopharm könnte drei Milliarden Euro bringen. mwb/shf (HB)

0 Kommentare

Neuester Kommentar