Wirtschaft : Fitch droht Japan und China

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Berlin - Erst die Euro-Länder, dann die USA, jetzt sind die Asiaten dran: China und Japan droht eine Herabstufung ihres Kreditratings durch die US-Agentur Fitch. Bei den Japanern kritisieren die Notengeber die hohe Staatsverschuldung, bei den Chinesen sind es Probleme im Bankensektor und die Verschuldung vieler Kommunen. Der für die Region zuständige Fitch-Manager Andrew Colquhoun sagte am Donnerstag: „Um die Ratings auf dem jetzigen Stand zu halten, bräuchten wir einen glaubwürdigen Plan zur Konsolidierung der Finanzen.“

Vor allem für Japan, das nach der Finanzkrise auch noch ein verheerendes Erdbeben und die folgende Atomkatastrophe verkraften musste, ist die Meldung höchst ärgerlich. Die Fitch-Konkurrenten Standard & Poor’s und Moody’s haben ihre Ratings in diesem Jahr bereits zurückgestuft. Das Problem: Viele Investoren entscheiden anhand dieser Note, ob und zu welchem Zinssatz sie einem Land ihr Geld leihen. Die Politiker, vor allem in den alten Industrieländern, werfen den Ratingagenturen darum oft vor, mitverantwortlich zu sein für die Schuldenkrise.

Torsten Hinrichs, der Deutschland-Chef von Standard & Poor’s, sieht das anders. „Unsere Ratings sind ein global einheitlicher Maßstab für Bonität. Wir haben weltweit gleiche Prozesse und gleiche Kriterien“, sagte Hinrichs am Donnerstag bei einer Veranstaltung der Familienunternehmer in Berlin. Ein Rating sei schließlich nichts anderes als eine „Meinung zur künftigen Willigkeit und Fähigkeit eines Schuldners, seinen Verpflichtungen pünktlich und vollständig nachzukommen.“

Diese Frage würden seine Leute anhand fester und transparenter Kriterien beantworten. Dazu gehörten nackte Zahlen wie das Wirtschaftswachstum, aber auch Einschätzungen, etwa zum Handlungsspielraum der Zentralbank oder der Bedeutung der jeweiligen Währung in der Welt. So sei auch zu erklären, dass die USA trotz ihrer hohen Verschuldung lange ein so gutes Rating hatten. Hinrichs erläuterte auch die Äußerungen seines Europa-Chefs, der kürzlich gesagt hatte, gemeinsame Euro-Anleihen würden genauso schlecht geratet werden wie die griechischen Staatspapiere. Dies gelte nur für den Fall, dass jedes Land für seine eigenen Schulden hafte. Selbst wenn Griechenland nur für zwei Prozent einer Anleihe hafte, „können wir nicht sicher sein, dass der Gläubiger sein Geld pünktlich und vollständig zurückbekommt.“ Miriam Schröder

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