Wirtschaft : Flachglas für den Reichstag

EBERHARD LÖBLICH

Kohl weiht amerikanisches Glaswerk in Sachsen-Anhalt ein / Weitere Investitionen geplantVON EBERHARD LÖBLICH

WOLFEN/BITTERFELD.Bundeskanzler Helmut Kohl liebt die Symbolik.Und so verabschiedete er ganz symbolisch den ersten LKW mit Glas aus Wolfen für den Berliner Reichstag.Anders war es wohl auch kaum noch möglich, das Flachglaswerk des US-Konzerns Guardian in Wolfen mit Kanzlerwürde offiziell in Betrieb zu nehmen.Denn was Kanzler Kohl am Dienstag in Wolfen einweihte, produziert immerhin schon seit einigen Monaten.Was die Freude des Kanzlers über den Einweihungstermin kaum trüben konnte."Kluge Unternehmer in aller Welt haben begriffen, daß dieser Standort in der Mitte des geeinten Europa ein Standort mit Perspektiven ist", sagte der Kanzler zur Einweihungsfeier.Der Produktionsbeginn des Werkes zeige den Beginn neuer Qualitäten in den Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und den USA."Die schon bestehenden engen sicherheitspolitischen Beziehungen müssen durch ebenso enge ökonomische Beziehungen vertieft werden", sagte er. Guardian Industries denke bereits an eine Ausweitung des Engagements in Sachsen-Anhalt, sagte der Präsident des Konzerns, William Davidson.Die Geschäftsentwicklung am Standort Wolfen sei bislang besser verlaufen als erwartet."Wir haben bislang 270 Mill.DM investiert und damit 270 Arbeitsplätze geschaffen", so Davidson.Bei Zulieferern und Dienstleistern seien weitere 600 Arbeitsplätze gesichert oder neu geschaffen worden. In dem 50 000 Quadratmeter großen Werk werden Glasstärken zwischen drei und zwölf Millimetern gefertigt.Zwei Drittel der Produktion gehen auf den deutschen Markt, der Rest wird nach Polen, Skandinavien und Osteuropa geliefert. Da Kanzler Kohl schon einmal in der Region war, schaute er noch in Bitterfeld vorbei, um den dritten Bauabschnitt der Heraeus Quarzglas GmbH einzuweihen.Die Produktion der Hanauer Holding in Bitterfeld läuft bereits seit 1993 und soll nun beträchtlich erweitert werden.Das synthetische Quarzglas, das an dem traditionsreichen Chemiestandort hergestellt wird, wird in der Halbleiter- und in der Chemieindustrie benötigt.Seit 1991 hat Heraeus eigenen Angaben zufolge 455 Mill.DM am Standort Bitterfeld investiert und damit 300 Arbeitsplätze geschaffen. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reinhard Höppner bezeichnete das Engagement beider Investoren im Chemiedreieck Sachsen-Anhalts "als Symbol für den Spitzenplatz, den Sachsen-Anhalt unter den neuen Ländern bei ausländischen Investoren einnimmt".Die Einweihung der beiden Unternehmen sei ein weiteres Kapitel in der Erfolgsgeschichte des Chemieparks Bitterfeld-Wolfen."40 Unternehmen haben sich hier inzwischen angesiedelt", sagte der Regierungschef des Landes mit der höchsten Arbeitslosigkeit in Deutschland.Es gab für Höppner aber auch einen Wermutstropfden.Ausgerechnet der Arbeitsamtsbezirk Bitterfeld war der einzige in Sachsen-Anhalt, der für den Monat September keinen Rückgang der Arbeitslosenzahlen melden konnte.

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