Wirtschaft : Flachmänner für alle

Neue Bildschirme und DVD-Rekorder werden zu Massenprodukten – die Ifa zeigt die Trends

Maurice Shahd

Beim Luxushersteller von Fernsehern und Hifi-Anlagen Bang & Olufsen am Kurfürstendamm wird der Kunde noch mit Handschlag begrüßt. Auf der Ledercouch kann er das Topmodell der Dänen bestaunen – den Flachbildfernseher Beovision für 20 395 Euro. Für den Preis kann der Fernseher aber auch einiges bieten: er hat einen Sensor, der die Helligkeit im Raum misst und den Kontrast des Bildes automatisch regelt. Allerdings ist die dänische Firma nicht mehr der Exklusivanbieter des Luxus-Fernsehers. Die Discounter haben schon nachgezogen. Der Aldi-Lieferant Medion bietet ein ähnliches Modell an – für nur 2999 Euro. Allerdings muss man hier mit Abstrichen bei Auflösung und Bildqualität rechnen.

Aber das Angebot von Medion zeigt: Die Flachbildschirme haben den Massenmarkt erreicht. Die Preise für die einstigen Luxusgeräte sinken auf ein akzeptables Niveau. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich bei den DVD-Rekordern ab, die bald den Videorekorder als Aufnahmegerät ablösen könnten. Weitere Preisabschläge könnte die Internationale Funkausstellung (Ifa) bringen, die am kommenden Freitag in Berlin beginnt. Dort präsentieren Sony, Philips, Panasonic und Co ihre neuesten Modelle. „Die Händler machen Platz für die neuen Geräte. Auslaufmodelle sinken dann im Preis“, sagt Jürgen Boyny von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

Die gesamte Branche für Unterhaltungselektronik hofft, dass die Ifa das Geschäft beleben wird, indem sie die High-Tech-Produkte der Masse näher bringt. Im vergangenen Jahr schrumpfte der Markt um 1,5 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro. Beim Kauf hochwertiger Konsumgüter hielten sich die Verbraucher wegen der Wirtschaftsflaute merklich zurück. Die größten Hoffnungen setzt die Branche auf innovative Produkte wie die Flachbildfernseher und DVD-Rekorder. „Das sind die Wachstumsmärkte schlechthin“, sagt Jochen Wiesinger von der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (GfU).

Im Vergleich zu den sperrigen Röhrenmonitoren haben die Flachbildmonitore Vorteile: Sie können platzsparend an der Wand angebracht werden und liefern flimmerfreie Bilder mit bestechender Schärfe. Die kleineren Einsteigergeräte mit einer Bildschirmdiagonale von 42 Zentimetern kosten ab 800 Euro. Die Preise für die gängigen Bildschirmgrößen von 70 bis 80 Zentimetern liegen bei den Markenherstellern zwischen 3000 und 5000 Euro. Doch die Preise werden in absehbarer Zeit weiter sinken. „Die Produzenten bauen zusätzliche Fertigungskapazitäten auf. Das steigende Angebot drückt die Preise“, sagt Wiesinger. Zusätzlich bekommen die Markenhersteller Druck von den Discountern. Der Plasma TV von Medion für 2999 Euro hat eine Bildschirmgröße von 106 Zentimetern und ist bei der Elektronikkette Saturn zu haben.

Die Markenhersteller wollen den Billigangeboten elegantes Design, zusätzliche Funktionen und einen besseren Service entgegensetzen, um ihre Preise zu rechtfertigen. So bietet der Edelhersteller Loewe Fernseher mit integrierter Festplatte für die Aufnahme von TV-Sendungen. Andere Modelle ermöglichen den Zugang zum Internet. Sharp bietet seine LCD-Fernseher mit Handgriff und Akku für den mobilen Einsatz.

DVD-Geräte mit Digitalkamera

Bei den Flachbildschirmen konkurrieren zwei Technologien: LCD und Plasma. Die LCD-Technik wurde bisher vor allem für Computermonitore verwendet, findet jetzt aber auch ihren Weg in die Wohnzimmer der Verbraucher. Nachteil: Die LCDs erreichen bislang „nur“ Bildschirmdiagonalen bis etwa 80 Zentimeter. Alles was darüber liegt, bleibt den Plasma-Fernsehern vorbehalten – noch. Nach Ansicht von Branchenexperten gehört die Zukunft den LCDs, da sie weniger Strom verbrauchen und nicht so strahlungsintensiv sind. Mit Sharp hat bereits ein großer Hersteller angekündigt, aus der Produktion von Plasma-Geräten auszusteigen.

Mit einem großen Fernseher können Filmfans das Wohnzimmer zum Heimkino (siehe Text unten) umrüsten. Dabei wird der Fernseher mit einem Hifi-System verbunden, das für einen guten Sound sorgt. Während sich der DVD-Player zum Abspielen von Filmen längst durchgesetzt hat, waren DVD-Rekorder noch sehr teuer. Für die Aufnahme und Archivierung von Filmen und TV-Sendungen blieb da nur der gute alte Videorekorder. Aber auch das ändert sich. „Die Preise für DVD-Rekorder sinken 2003 auf rund 500 Euro“, sagt Philips-Sprecher Klaus Petri.

Die Holländer bringen zur Ifa zwei neue Modelle auf den Markt. An die neuen Geräte kann jetzt auch eine Digitalkamera angeschlossen werden. „Urlauber können ihre Schnappschüsse dann direkt auf eine DVD oder CD brennen“, erläutert Petri. Panasonic präsentiert auf der Ifa einen DVD-Brenner mit integrierter Festplatte für 1500 Euro. Vorteil: Die Festplatte speichert rund 50 Stunden bewegtes Bild.

Die Siegeszug der DVD-Rekorder ist so gut wie sicher. Zwar sind mit den unterschiedlichen Systemen DVD-R und DVD-Plus noch zwei verschiedene Standards auf dem Markt. „Das ist aber kein Problem mehr, weil die meisten DVD-Player beide Standards abspielen können“, sagte Jochen Wiesinger von der GfU.

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