Wirtschaft : Flexibel und für weniger Geld

Fast jeder deutsche Autohersteller hat mit Betriebsräten und IG Metall einen Standortvertrag abgeschlossen

Stefan Jacobs

Berlin - Was jetzt bei Opel ausgehandelt wurde, haben andere Hersteller zum Teil hinter sich: Die Mitarbeiter müssen flexibler arbeiten und auf übertarifliche Leistungen verzichten. Dafür sind ihre Arbeitsplätze für einige Jahre sicher.

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Daimler-Chrysler. Mit der Drohung, die Produktion der C-Klasse vom Stammwerk Sindelfingen nach Bremen und Südafrika zu verlagern, hat der Konzern bei Betriebsrat und Gewerkschaft eine Kostensenkung von jährlich 500 Millionen Euro durchgesetzt. Die im Juli 2004 ausgehandelte Lösung umfasst eine Neugestaltung der Tarife, wobei die höheren baden-württembergischen Standards zum Teil denen aus Bremen angepasst wurden. Mittels 40-Stunden-Woche in Entwicklungsbereichen sollen Neuheiten schneller marktreif werden. Im Gegenzug wurde eine Beschäftigungssicherung bis 2011 vereinbart. Für arbeitsintensive industrienahe Dienstleistungen wurde ein Ergänzungstarifvertrag mit flexibleren Arbeits- und Lohnregelungen vereinbart. So soll die Auslagerung von Arbeit vermieden werden. Ein weiterer Teil der Vereinbarung ist „DCmove“, eine Art internes Arbeitsamt. Es wurde zum Jahresbeginn 2005 eingerichtet und organisiert den Einsatz von Mitarbeitern an verschiedenen Standorten – je nach der gerade aktuellen Kapazitätsauslastung.

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Ford. Der US-Konzern hat seine Kapazitäten in Europa schon vor Jahren zurückgefahren; die Produktion in England wurde eingestellt, im deutschen Stammwerk in Köln wurden 1350 Stellen gestrichen. Im März 2004 schlossen Geschäftsleitung und Gesamtbetriebsrat ein „Standortsicherungsabkommen“, das bis Ende 2005 läuft und einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen beinhaltet. Im Gegenzug sind die Tarife bis Februar 2005 eingefroren worden, so dass Ford-Mitarbeiter nicht von den Tariferhöhungen in der Branche profitierten. Auch das übertarifliche Weihnachtsgeld wurde gekürzt. In diesem Jahr wird für die 26300 deutschen Mitarbeiter des Konzerns neu verhandelt; Vorgaben sind bisher nicht bekannt. Stattdessen heißt es bei Ford: „Unsere Werke sind ausgelastet, wir bauen am Rande der Kapazitätsgrenze.“

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BMW. Der bayerische Autobauer will Maschinennutzung und Arbeitszeiten möglichst weit voneinander entkoppeln. Für das neue Leipziger Werk, das Anfang dieser Woche den Betrieb aufnahm und offiziell Mitte Mai eingeweiht wird, bedeutet das eine Nutzung der Produktionskapazitäten zwischen 60 und 140 Stunden pro Woche, wobei Letzteres etwa einem Rund-um-die-Uhr-Betrieb von Montag bis Sonnabend entspricht. Anders als die BMW-Werke im Westen kann die Leipziger Fabrik binnen weniger Tage auf Dauerbetrieb hochgefahren werden. An 30 Sonnabenden im Jahr gibt es selbst für die Spätschichten keine Zuschläge. Gearbeitet werden im Osten 38, in Bayern 35 Stunden. Über Arbeitszeitkonten können Mitarbeiter bis zu 200 Plus- oder Minus-Stunden ansammeln, die nicht kurzfristig ausgeglichen werden müssen.

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VW. Während für die VW-Werke im sächsischen Zwickau und in Dresden der Flächentarifvertrag gilt, hat die IG Metall für die 103000 Beschäftigten in den westdeutschen Werken einen Haustarifvertrag ausgehandelt. Er schützt vor betriebsbedingten Kündigungen bis Ende 2011. Statt prozentualer Lohnerhöhungen gibt es nur einmalig 1000 Euro. Neu Eingestellte bekommen weniger Geld als im alten Haustarif. Dafür wird 2006 ein Bonussystem wieder eingeführt, das die Mitarbeiter vom Unternehmenserfolg profitieren lässt. Erweitert wurden schließlich die Schwankungsbreiten der Arbeitszeitkonten mit 400 Stunden. Wer über das Konto hinaus arbeitet, bekommt dafür Zuschläge.

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