Wirtschaft : Fliegen in neuer Dimension

Die Lufthansa wird Europas erste Fluggesellschaft sein, die das Riesenflugzeug A380 einsetzt

Corinna Visser

Von nichts weniger als einem Quantensprung in der Luftfahrt spricht Joachim Schneider. Der Leiter A380 Einführungsmanagement bei der Lufthansa kann das Außergewöhnliche an dem neuen Großraumflugzeug von Airbus mit vielen Zahlen belegen: „Das fängt bei der wirtschaftlichen Bedeutung an“, sagt Schneider. „Der Listenpreis einer A380 liegt bei 300 Millionen Dollar. Pro Flugzeug entstehen 400 Arbeitsplätze. Der Kauf eines Airbus A380 entspricht also etwa der Gründung eines mittelständischen Unternehmens.“

Die Lufthansa wird die erste europäische Airline sein, die das größte Passagierflugzeug der Welt im Linienverkehr einsetzt. Zum Sommerflugplan 2008 heben vier Airbus A380 ab, bis 2015 sollen es insgesamt 15 sein. „Jedes dieser Flugzeuge wird im Jahr 4,5 Millionen Flugkilometer im Einsatz sein, das heißt etwa 100 Mal um die Erde fliegen“, sagt Schneider. Seit 2002 sind bei der Lufthansa 150 Menschen aus 40 Fachbereichen im Einsatz, um den Start der A380 vorzubereiten.

„Die Herausforderung der A380 liegt in ihren vollkommen neuen Dimensionen“, sagt Schneider. Das Flugzeug ist 72,7 Meter lang, hat eine Spannweite von 79,8 Metern, ist 24,1 Meter hoch und die Tragflächen haben eine Fläche von 845 Quadratmetern – etwa so groß wie vier Tennisplätze. Zum Vergleich: Ein Jumbo-Jet von Boeing ist 70,7 Meter lang, 64,4 Meter weit, 19,4 Meter hoch und hat eine Tragfläche von 520 Quadratmetern. Das Startgewicht der A380 liegt 165 Tonnen über dem des Jumbos.

Die schiere Größe macht nicht nur ein neues Buchungssystem nötig, das von heute maximal 511 auf dann 555 Passagiere eingerichtet werden muss. Check- in, Gates und Boarding müssen ebenso angepasst werden wie Reinigung, Betankung und Wartung. In Frankfurt am Main werden die Passagiere auf zwei Ebenen in den Doppelstöcker einsteigen. „Die Umkehrzeit, also die Zeit zwischen Landung und dem nächsten Start, soll nicht länger dauern als bei den heute bereits eingesetzten Langstreckenflugzeugen, obwohl 40 Prozent mehr Passagiere an Bord sind“, sagt Schneider. Die Inneneinrichtung, das Unterhaltungsprogramm, die Gestaltung von First-, Business und Economy-Klasse – alles wird neu in der A380. Dabei wird sie nicht nur das teuerste Fluggerät, das die Lufthansa bewegt. „Gleichzeitig wird es das günstigste sein“, sagt Schneider. Die Wirtschaftlichkeit liege etwa 20 Prozent über den heutigen Langstreckenjets, der Kerosinverbrauch bei etwa drei Litern pro Passagier und 100 Kilometer.

Noch ist offen, welche Ziele die A380 anfliegt. Die Lufthansa prüft derzeit 18 Flughäfen, Berlin ist – noch – nicht dabei. „Die Entscheidung, welche Routen geflogen werden, trifft am Ende der Markt“, sagt Schneider. Ein halbes Jahr vor dem ersten Start, wird man seinen A380-Flug buchen können.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben