Wirtschaft : Flowtex: Prozess im Milliardenskandal beginnt

Mit dem Flowtex-Skandal wird einer der größten Betrugsfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte von diesem Dienstag an vor dem Mannheimer Landgericht aufgerollt. Den einstigen Ettlinger Vorzeigeunternehmern Manfred Schmider und Klaus Kleiser sowie zwei Geschäftspartnern wird vorgeworfen, sie hätten einen Schaden von mehr als vier Milliarden Mark angerichtet. Sie sollen jahrelang insgesamt mehr als 3000 nicht existente Bohrsysteme für die unterirdische Verlegung von Kabeln an Leasingfirmen verkauft haben. Der Prozess ist auf 63 Verhandlungstage angesetzt. Dem Quartett auf der Anklagebank wird neben Betrug noch versuchter Kapitalanlagebetrug vorgeworfen. Um den Geldbedarf von 50 bis 60 Millionen Mark pro Monat zu decken, wollte die Flowtex-Gruppe fünf Anleihen zu je 250 Millionen Euro auflegen. Die erste Anleihe wurde in letzter Sekunde Anfang 2000 verhindert. Ansonsten hätte der Schaden wohl noch einmal um eine halbe Milliarde Mark höher gelegen. Mit Spannung erwartet wird unter anderem die Klärung der Frage, ob Schmider wirklich größenwahnsinnig ist, wie ein psychologischer Gutachter vermutet hat. Schmider hatte mit Villen, Privatjet und Luxusyacht einen fürstlichen Lebensstil gepflegt. Wenig erfreulich könnte der Mannheimer Prozess auch für Banken und Wirtschaftsprüfer werden, deren Vertreter in den Zeugenstand müssen. Dem Schwindel auf den Leim ging auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Im Sommer zahlte KPMG freiwillig rund 100 Millionen Mark an die Geschädigten und betonte gleichzeitig, dass man selbst übel getäuscht worden sei.

Ein Ende der Flowtex-Affäre wird auch mit dem für März erwarteten Urteil nicht kommen. Ermittelt wird außerdem gegen mehr als drei Dutzend anderer Beschuldigter - von sechs Finanzbeamten über einen Rechtsanwalt, der als Bote mit Millionen unterwegs gewesen sein soll, bis zu einem deutsch-syrischen Geschäftsmann.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben