Fluggesellschaft : Air Berlin verschönert seine Bilanz

Air Berlin verschafft sich finanziellen Spielraum. Am Donnerstag platzierte Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft erfolgreich eine Wandelanleihe im Volumen von 125 Millionen Euro. Damit kaufte das Unternehmen zum Teil eine bereits seit 2007 laufende Anleihe zurück.

Corinna Visser

Berlin - Air Berlin verschafft sich finanziellen Spielraum. Am Donnerstag platzierte Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft erfolgreich eine Wandelanleihe im Volumen von 125 Millionen Euro. Damit kaufte das Unternehmen zum Teil eine bereits seit 2007 laufende Anleihe zurück. 70 Millionen Euro davon sollen zur Bezahlung bereits bestellter Flugzeuge und zur Verbesserung der Liquidität eingesetzt werden. Mit der Platzierung der Anleihe sinken nicht nur die hohen Schulden der Fluggesellschaft, auch die von Analysten kritisierte niedrige Eigenkapitalausstattung verbessert sich. Zum Geschäftsverlauf im zweiten Quartal will sich Air Berlin erst kommende Woche äußern. Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer verriet nur, dass es keine Überraschungen geben werde. „Es passt schon“, sagte er.

Die Börse reagierte positiv auf die Transaktion. Die Air-Berlin-Aktie legte am Donnerstag zeitweise um mehr als vier Prozent zu. „Unter dem Strich ist die neue Anleihe für Air Berlin kein schlechtes Geschäft“, sagte Analyst Johannes Braun von der Commerzbank.

Eine Wandelanleihe ist ein verzinsliches Wertpapier, das dem Inhaber das Recht einräumt, entweder die Anleihe ausgezahlt zu bekommen oder sie zu einem bestimmten Kurs ganz oder teilweise in Aktien umzuwandeln. Für das emittierende Unternehmen hat sie den Vorteil, dass es sich zu günstigen Konditionen Kapital beschaffen und es später ganz oder teilweise in eigenen Aktien bezahlen kann. Air Berlin bot die Wandelanleihe nur institutionellen Investoren an. Wer sie gezeichnet hat, sagte Hüttmeyer nicht.

Mit der Wandelanleihe sinkt die Nettoverschuldung des Unternehmens von 779 Millionen Euro zum Ende des ersten Quartals auf nun 592 Millionen Euro. Im Frühjahr hatte eine Kapitalerhöhung Air Berlin bereits 39 Millionen Euro in die Kassen gespült. Die neue Anleihe über 125 Millionen Euro läuft über fünf Jahre. Der vereinbarte Wandlungspreis liegt bei 4,01 Euro pro Aktie und damit deutlich näher am aktuellen Aktienkurs als die alte, bis 2027 laufende Anleihe. Die hatte einen Wandlungspreis von 22,47 Euro. Die neue Anleihe wird mit neun Prozent verzinst.

Von den 125 Millionen Euro gibt Air Berlin 55 Millionen Euro aus, um Teile der alten Anleihe im Nennwert von 90 Millionen Euro zurückzukaufen. Die neue Anleihe sei für Air Berlin deutlich attraktiver als die alte, sagte Hüttmeyer, obwohl diese nur mit 1,5 Prozent verzinst war. Auch Commerzbank-Analyst Braun hält es für ein lohnendes Geschäft, unter anderem deswegen, weil die alte Anleihe extrem im Marktwert gefallen ist. „Für den Teil, den Air Berlin jetzt zurückkaufen konnte, musste das Unternehmen nur noch etwa 60 Prozent des Nominalwertes bezahlen.“ Der Rückkauf werde das Finanzergebnis um mindestens 25 Millionen Euro verbessern, sagte Hüttmeyer. Corinna Visser

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