Wirtschaft : Fluggesellschaften: Airlines hoffen auf Milliarden-Hilfe

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Nach den Terroranschlägen hat US-Präsident George W. Bush Hilfsmaßnahmen für die finanziell bedrängten Fluggesellschaften in den USA angekündigt. Einzelheiten des Programmes sollten Bushs Wirtschaftsberater ausarbeiten, erklärte eine Sprecherin des Weißen Hauses in Washington. Frankreichs Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot sprach sich dafür aus, auch die Airlines in Europa zu unterstützen. Noch in dieser Woche werde er sich deswegen zunächst mit den Chefs der französischen Fluggesellschaften Air France, Air Littoral und AOM/Air Liberté beraten, kündigte Gayssot am Dienstag an. Die Konzernchefs von British Airways, Ron Eddington, und Virgin, Richard Branson, kamen am Dienstag mit dem britischen Verkehrsminister Stephen Byers zusammen. Eddington und Branson setzten sich für steuerliche Erleichterungen und Unterstützung bei Umsetzung der neuen Sicherheitsmaßnahmen ein. Die Regierung setzte eine Arbeitsgruppe ein.

Bush habe bei einem Treffen mit seinen Beratern "seine tiefe Sorge über die finanzielle Situation der Luftfahrtbranche" zum Ausdruck gebracht, hieß es in Washington. Am Dienstag sollten die Chefs der größten Fluggesellschaften der USA mit Regierungsvertretern über die Finanzkrise der Branche beraten. Gayssot sagte, die jüngsten Rückschläge drohten die Luftfahrtbranche in größere Schwierigkeiten zu bringen.

Dunkle Schatten über EADS

Auch über dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, der am kommenden Donnerstag Halbjahreszahlen präsentiert, liegt der dunkle Schatten des Terrors. Der Flugzeugbauer hat binnen einer Woche rund ein Drittel seines Börsenwerts eingebüßt. Analysten fürchten, dass die Krise der Airlines einen Domino-Effekt auslösen könnte, der auch bei Airbus und Boeing ankommen könnte. EADS versucht, in dieser Situation optimistisch zu klingen. Veränderungen im Geschäft seien durch die Flexibilität der Fertigung und den hohen Auftragsbestand beherrschbar, heißt es in München offiziell. Hinter den Kulissen wird indes gerechnet. Es sei noch unabsehbar, ob und wie die Terroranschläge dämpfend auf das zivile Flugzeuggeschäft durchschlagen, sagte eine Airbus-Sprecherin. Allerdings würden die Produktionspläne derzeit geprüft.

Zuletzt hatte die EADS-Tochter Airbus für dieses Jahr über alle Modelle mit dem Bau von rund 330 Jets kalkuliert. Boeing wollte 538 Flugzeuge ausliefern. Analysten zufolge könnten die Boeing-Auslieferungen im Gefolge der Attacken im Jahr 2002 um 11,8 Prozent und im Jahr 2003 um 19 Prozent fallen. Die Boeing-Produktion könnte 2002 auf 456 Flugzeuge, im Jahr danach auf 356 Maschinen absacken. Eine Boeing-Sprecherin erklärte nach Angaben des "Wall Street Journal": "Es wäre sehr naiv zu erwarten, dass es keine Auswirkungen geben wird."

Damit stehen Airbus und Boeing am Beginn eines branchenweiten Abschwungs. Statt einer "sanften Landung," die die Eads-Vorstände Philippe Camus und Rainer Hertrich zuletzt anpeilten, könnte der Branche unter dem Eindruck des Terrors eine Bruchlandung drohen. Zwar verweist EADS auf knapp 1700 feste Bestellungen für den Airbus, was die Produktion vier bis fünf Jahre auslaste. Die könnten aber angesichts der sich abzeichnenden Airline-Krise über Nacht gestrichen werden, fürchten Analysten. Festbestellungen seien angesichts drohender Airline-Konkurse nicht mehr verlässlich. Die Rüstungssparte der Eads verspricht in dieser Lage wenig Entlastung, weil sie nur noch zwölf Prozent zum Gesamtumsatz von gut 24 Milliarden beisteuert und defizitär arbeitet. Ausschließen wollen Experten derzeit eine Gefährdung des Airbus A 380, der gerade für knapp elf Milliarden Dollar entwickelt wird. Es gebe vom Markt keine Signale, dass das mit bis zu 800 Fluggästen weltgrößte Passagierflugzeug auf Ablehnung stoße, weil zivile Boeing-Jets in den USA von Terroristen als Bomben missbraucht wurden.

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