Wirtschaft : Fluggesellschaften: Aktien am Boden

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Auch eine Woche nach dem Terror-Anschlag in den USA sind am Dienstag die Aktien der Luftfahrtgesellschaften erneut eingebrochen. Insbesondere die Papiere der US-Airlines gaben nach den teilweise dramatischen Kursverlusten an der am Montag wieder eröffneten Wall Street weiter nach. Aber auch die europäischen Fluggesellschaften mussten starke Verluste hinnehmen. KLM teilte am Morgen mit, auf Grund der Anschläge werde das Unternehmen einen operativen Verlust ausweisen. Die Höhe sei aber noch nicht abschätzbar. In Europa am stärksten betroffen von den Folgen des Terroranschlags ist die Fluggesellschaft British Airways. Der Konzern hat drei Krisenstäbe eingerichtet und will bis Anfang kommender Woche über "angemessene Maßnahmen" entscheiden. Befürchtet wird ein drastischer Stellenabbau sowie Streckenstreichungen. Dem Traditionsunternehmen mit 58 000 Mitarbeitern droht der Sturz aus dem wichtigen FTSE-100-Index der Londoner Börse. In den vergangenen Tagen verlor der Konzern an der Börse drastisch an Wert. Nach Schätzungen der Deutschen Bank hat die Krise British Airways allein in der vergangenen Woche rund 21 Millionen Mark pro Tag gekostet.

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Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA
Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige Positiv aufgenommen wurde die Ankündigung der US-Regierung, den angeschlagenen Fluggesellschaften mit einem umfassenden Hilfspaket unter die Arme zu greifen. "Ohne diese Hilfe könnten einige Anbieter in den USA aber auch in Europa vom Markt verschwinden", sagte Mathias Christmann, Luftfahrt-Analyst bei Delbrück Asset Management. "Dies könnte eine ernsthafte Beeinträchtigung des Wettbewerbs zur Folge haben", warnte Christmann. Eine Unterstützung der Branche sei deshalb "sinnvoll".

Gedrückt wurden die Kurse von neuen Hiobsbotschaften über die Auswirkungen der Anschlagserie. Die Papiere der niederländischen Gesellschaft KLM fielen um 14 Prozent. An der New Yorker Börse wurde das Desaster der Fluggesellschaften perfekt gemacht: American Airlines verloren zum Marktbeginn fast die Hälfte, Northwest ging um 34 Prozent in die Knie. Delta Air Lines fielen mehr als 27 Prozent auf rund 18 Dollar, United Airlines um 40 Prozent auf 18,5 Dollar. Analysten erwarten auch für die Deutsche Lufthansa eine Verringerung der Gewinnprognosen. Der Aktienkurs der deutschen Fluggesellschaft fiel um rund sieben Prozent auf 10,50 Euro.

Allein in der vergangenen Woche haben die Gesellschaften nach eigenen Angaben Verluste in Höhe von einer Milliarde Dollar gemacht. Während des Golfkriegs waren geschätzte Ausfälle von 4,9 Milliarden Dollar entstanden. Nach den Anschlägen in New York und Washington drohen vor allem die amerikanischen Unternehmen mit massiven Stellenkürzungen. Bisher sollen allein bei drei Gesellschaften rund 26 000 Stellen gestrichen werden. Nach der Fluggesellschaft Continental Airlines hatte am Montagabend auch US Airways die Entlassung von 11 000 Beschäftigten angekündigt. Das sind etwa ein Fünftel der Belegschaft. Außerdem will das Unternehmen sein Angebot um 20 Prozent verringern. Das ganze Luftfahrtsystem in den Vereinigten Staaten sei in Gefahr, hieß es in einer Erklärung. Continental hatte am Wochenende erklärt, es würden 12 000 Stellen abgebaut - mehr als ein Fünftel der Belegschaft. Die Lufthansa plant derzeit nach eigenen Angaben keine Entlassungen.

Für Investoren, die sich nach dem Schock neu orientieren, haben die Airline-Kurse ein Niveau erreicht, dass ein Engagement interessant erscheinen lässt. Mit Blick auf die Lufthansa-Aktie rät die Fondsgesellschaft Union Investment allerdings zu "vorsichtiger Zurückhaltung". Der Börsenwert habe in den vergangenen Tagen um 3,6 Milliarden Mark nachgegeben, dies sei mehr als die Umsatzeinbußen, erklärte Christoph Bruns, Leiter Aktienfonds bei Union. "Wenn man unterstellt, dass sich die Auswirkungen des Attentats auf Fluggesellschaften in den nächsten Wochen abschwächen, könnte man die Aktie als günstig bezeichnen." Angesichts der weiter unsicheren weltpolitischen Lage sei ein Investment aber riskant. Die Analysten von ABN Amro, die am Dienstag eine Reihe europäischer Luftfahrt-Aktien herabstuften, nahmen die Lufthansa-Aktie von "buy" auf "add" zurück. Auch Schroder Salomon Smith Barney reduzierte das Kursziel von 22 auf 17,50 Euro. Delbrück-Analyst Christmann sieht die Lufthansa trotz der aktuellen Schwierigkeiten immer noch auf gutem Wege. 2001 sei nach wie vor mit einem "riesigen Gewinn" zu rechnen.

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