Wirtschaft : Fluggesellschaften: Das Ende der nationalen Fluglinien

Martina Ohm

Die Krise der Luftfahrt-Unternehmen setzt Europas Staatschefs gehörig zu. Seit dem 11. September gilt in der Branche ein neues Navigationssystem - ein System, das die EU-Verkehrspolitiker vor besondere Herausforderungen stellt. Rund fünf Milliarden Dollar Soforthilfe gewährte die US-Regierung ihren Airlines unmittelbar nach den Anschlägen. Und seit Ende letzter Woche können die US-Fluggesellschaften Antrag auf staatliche Kreditbürgschaften stellen. Wer dem Staat Minderheitsbeteiligungen gewährt, wird bevorzugt behandelt. Teilverstaatlichung im Namen der Krise und Dumpingpreise auf Kosten der US-Steuerzahler - das mag den Amerikanern angemessen erscheinen. Europas Luftfahrtbranche hingegen setzt es in unangemessener Weise unter Druck. Wen überrascht da schon, dass selbst die solide Lufthansa nach Kompensation ruft und dem Bundesverkehrsminister ihre Rechnung aufmacht. Noch ist nicht klar, ob sich die Bundesregierung breit schlagen lässt. Möglich wäre es. Denn auch die EU-Verkehrskommissarin fühlt sich derzeit zu größerer Nachsicht verpflichtet und hat vorsorglich Sonderregeln für Beihilfen vorformuliert. Zu dieser Einstellung passt ganz, dass der Sabena-Rettungskredit am Mittwoch in Brüssel problemlos durchging. Mit pauschaler Großzügigkeit freilich kommt Europas Airline-Branche auf keinen grünen Zweig. Subventionen verschieben den überfälligen Konsolidierungsprozess nur unnötig. Es ist Zeit, umzudenken. Es geht nicht mehr um das Überleben nationaler Gesellschaften. Es geht um die Zukunft der europäischen Luftfahrtbranche.

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