Wirtschaft : Flughafen-Poker geht in nächste Runde

Bewerbungsfrist läuft ab / Internationales Interesse an Großflughafen

BERLIN (cbu/HB).Heute mittag um 13 Uhr wird das Management der Berlin-Brandenburg Flughafen Holding (BBF) mit Spannung in den Briefkasten schauen.Denn dann läuft die erste Bewerbungs-Frist des dreistufigen Bieterverfahrens für das derzeit größte Flughafen-Projekt in Europa aus.Viele Angebote dürften erst in letzter Sekunde eingehen.Das Interesse nationaler und internationaler Investoren aus dem In- und Ausland, in erster Linie Flughafenbetreiber, Baukonzerne und die Finanzwirtschaft, ist den ersten Erkenntnissen zufolge aber groß. Ausgeschrieben wird nicht nur der 74,9 Prozent-Anteil an der Berliner Flughafenholding BBF mit derzeit drei Flughäfen in Tegel, Tempelhof und Schönefeld.Der Investor muß gleichzeitig einen Masterplan und die Finanzierung für den geplanten Berliner Großflughafen mit dem künftigen Namen Berlin-Brandenburg-International (BBI) am Standort Schönefeld ausarbeiten und bis zum Jahr 2007 realisieren. Dabei soll der neue Hauptstadt-Airport nicht nur vollständig mit privatem Kapital gebaut werden, sondern später auch in privater Regie betrieben werden.Nach Schätzungen soll das Projekt bis zu 8 Mrd.DM kosten.Mit der Investorensuche haben die bisherigen Gesellschafter, die Länder Berlin und Brandenburg mit jeweils 37 Prozent und der Bund mit 26 Prozent, die Investment-Banker von BZW Barclays de Zoete Wedd beauftragt. Schon seit März diesen Jahres ist das Interesse eines Konsortiums mit dem Essener Baukonzern Hochtief, ABB und Siemens am Bau und Betrieb des Berliner Flughafens bekannt.Hochtief war unter anderem beim Bau des Flughafens in Athen aktiv.Auch in Düsseldorf wird Hochtief zum Zug kommen.Ein zweites Bieter-Konsortium hat sich aus Dresdner Bank zusammen mit der IVG Industrie Verwaltungs-Gesellschaft, der Flughafen Wien AG und der Ingenieurgesellschaft Dorsch Consult gebildet.Die Commerzbank arbeitet dem Vernehmen ebenfalls an einem Angebot, unter Umständen auch innerhalb eines Konsortiums.Auch der US-Konzern Bechtel, auf Infrastrukturmaßnahmen spezialisiert, könnte sich in Berlin engagieren. Reges Interesse zeigt auch die Flughafen Frankfurt/Main AG (FAG), die sich nach Angaben eines Sprechers alleine und nicht im Rahmen eines Konsortiums an der Ausschreibung beteiligen will.Presseberichten vom Wochenende zufolge ist aber offenbar noch nicht endgültig entschieden, inwieweit sich die Frankfurter tatsächlich im Alleingang oder am Ende doch noch mit einem Partner um einen Einstieg bei der Flughafen Holding und den Ausbau von Schönefeld zum Großflughafen bewerben wollen.Im Gespräch war Deutsche Bank, inzwischen spekuliert man über eine Partnerschaft mit Hochtief.FAG arbeite bereits im Marketing-Bereich mit den Berliner Flughäfen zusammen.Auch die britische BAA British Airport Authority, London, ist im Rennen.Die seit 1987 börsennotierte BAA betreibt in Großbritannien sieben Flughäfen in eigener Regie. Nach der Sichtung aller Angebote werden den Planungen zufolge vier bis fünf Interessenten ausgewählt, die dann Einblick in die BBF-Unterlagen bekommen und konkrete Angebote unterbreiten sollen.Bis Ende Mai 1998 kommen dann zwei Bewerber in das "Finale".Der weitere Zeitplan sieht vor, daß bis Ende 1998 der Verkauf der BBF-Anteile an den ausgewählten Investor erfolgt.2002 ist Baubeginn für den BBI, der im Jahr 2007 den Betrieb aufnehmen soll.

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