Wirtschaft : Fonds und Online-Broker bitten zur Kasse

Veronika Csizi

"Zuerst angelockt, dann abgezockt", macht sich ein vergrätzter Aktionär in der Internet-Finanz-Community Wallstreet-Online Luft. Grund des Ärgers ist die Direkt Anlage Bank (DAB), einer der großen Online-Broker hierzulande und bis zum 15. Oktober auch einer der günstigsten. Seitdem die Münchener Direktbank ihr neues, höchst kompliziertes Preisgefüge gezimmert hat, müssen die rund 420 000 Kunden beim Wertpapier-Handel erheblich tiefer in die Tasche greifen. Preiserhöhungen weit über 50 Prozent sind dabei keine Seltenheit. Die DAB ist allerdings nicht allein. Auch Konkurrent Consors hat die Preise jüngst angeboben, wenn auch deutlich gemäßigter. Und bei der Comdirect sind Preisanpassungen dem Vernehmen nach geplant.

Kräftiger abkassiert wird jedoch nicht nur bei den Banken, sondern auch bei den Fondsgesellschaften. Wohl um die Kunden nicht zu vergraulen, hat man allerdings einen Posten verteuert, der weniger Berücksichtigung findet. Nicht die Ausgabeaufschläge sind teurer geworden, sondern die jährlichen Verwaltungsgebühren. Beim Deutschen Investment Trust (DIT) beispielsweise stieg die Jahresgebühr in vielen Fällen von 0,75 auf 1,5 Prozent, bei Union Investment, der Tochter der Volks- und Raiffeisenbanken, um 0,25 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent. Eine kleine Änderung mit großer Wirkung: Anders als der Ausgabeaufschlag, der einmal beim Kauf fällig ist, wird die Verwaltungsgebühr jedes Jahr von der Rendite abgezogen. Über einen längeren Zeitraum betrachtet ist eine Erhöhung also ein massiver Renditekiller. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge rechnet in einem Beispiel vor: Aus einer Anlage von 10 000 Euro, mit einem Ausgabeaufschlag von fünf Prozent und einer Jahresrendite von zehn Prozent, werden bei einer Jahresgebühr von einem Prozent nach 20 Jahren 53 241 Euro. Bei einer Jahresgebühr von zwei Prozent schrumpft der Anlageerfolg auf 44 279 Euro. Durch den geschmälerten Zinseszinseffekt gehen also insgesamt 17 Prozent verloren.

Die meisten Fondsgesellschaften verkaufen ihre Gebührenerhöhungen offensiv. Die Analyse- und Research-Abteilungen würden ausgebaut, was den Renditen und somit den Kunden zugute komme, heißt es beim DIT, der mit der Activest zu den beiden einzigen Anbietern gehört, die bei den Ausgabeaufschlägen an der Kostenschraube gedreht haben. Andere Investmentgesellschaften schieben den Schwarzen Peter dem Vertrieb zu, der stärker motiviert werden müsse. Auch die DAB versucht, ihren Kunden das neue Preismodell zu verkaufen. Der Kunde erhalte "mehr für weniger". So sei der Grundpreis beim Kauf oder Verkauf von Wertpapieren gestrichen worden. Er heißt jetzt aber "Mindestprovision" und kostet 7,95 Euro, hinzu kommt eine Gebühr von 0,25 Prozent des Transaktionsvolumens. Wer - wie 49 Prozent aller DAB-Kunden - nicht häufiger als sechs Mal je Quartal ordert, ist ein "Classic"-Kunde und zahlt, ebenfalls neu, bei Käufen und Verkäufen bis 2000 Euro fünf Euro zusätzlich. Wer häufiger aktiv ist, dabei aber ein Transaktionsvolumen von rund einer Million Mark pro Quartal unterschreitet, darf sich, wie ebenfalls 49 Prozent, "Active"-Kunde nennen.

Was die meisten DAB-Nutzer am meisten ärgert: Nur die erlesene Schar von zwei Prozent "Elite"-Kunden darf gesetzte Limits - wichtiges Instrument zur Absicherung von Aktien oder Optionsscheinen gegen Verluste - weiter kostenfrei ändern oder löschen. Alle anderen zahlen nun 2,5 Euro. Bisher war nicht nur das Setzen, sondern auch das Ändern oder Löschen von Kauf- oder Verkaufslimits kostenlos. Auch bei Durchschnittsordern war die DAB nicht zimperlich: Eine 3000-Euro-Order kostet statt 8,60 nun 15,45 Euro, das sind fast 80 Prozent mehr. Wer seine Order per Telefon aufgibt, zahlt noch einmal zehn Euro mehr: Damit ist die Online-Bank kaum noch günstiger als eine normale Geschäftsbank.

Vom Paulus zum Saulus wurde der Münchener Direktbroker auch beim Fondskauf, zählte er bisher doch zu den Anbietern mit den meisten und besten Preisnachlässen. Gar keinen Ausgabeaufschlag zahlt der Kunden jetzt nur noch bei hauseigenen Produkten und wenigen "Starpartnern" wie DIT oder Gartmore. DAB-Sprecherin Juliane Giese rechtfertigt: "Erträge müssen stabilisiert werden, Belastungen auf verschiedene Schultern verteilt werden." Sie habe aber Verständnis dafür, wenn jemand zur Konkurrenz wechsele. "Dies hat bisher aber noch kein einziger Kunde getan".

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