Wirtschaft : Fondsmanager attackieren Jürgen Schrempp

Investoren und Aktionäre wollen auf der Hauptversammlung Klarheit: Wohin steuert der Daimler-Chrysler-Chef?

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Berlin/Portland (je/HB/hej/mot). Kleinanleger und Fondsgesellschaften rechnen mit dem DaimlerChrysler-Vorstand ab. Auf der Hauptversammlung des Autokonzerns am Mittwoch in Berlin, zu der 9000 Anteilseigner erwartet werden, wollen die Aktionärsvertreter die nach ihrer Ansicht missglückte Strategie von Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp rügen, aus Daimler und Chrysler eine Welt-AG zu bilden. Sechs Jahre nach der Fusion stehen vor allem die zögerliche Sanierung der US-Tochter Chrysler, der miserable Aktienkurs und die Milliardenverluste bei Mitsubishi auf der Tagesordnung. Der japanische Autobauer benötigt nach einem „Spiegel“-Bericht dringend 5,5 Milliarden Euro, um einen Konkurs abzuwenden.

Die Fondsgesellschaft Union Investment sieht bei Daimler-Chrysler „akuten Handlungsbedarf“. Insbesondere die im Vergleich zu anderen Autoaktien schlechte Kursentwicklung stößt den Investoren auf, die ein Prozent der Daimler-Chrysler-Papiere halten. In den vergangenen drei Jahren verlor das Papier mehr als 30 Prozent. Zum Vergleich: BMW-Aktien büßten im gleichen Zeitraum weniger als ein Prozent ein. „Wir wollen aber keine Rebellion gegen Personen anzetteln, sondern wir fordern transparente und detaillierte Pläne zur Strategie“, sagte Union-Fondsmanagerin Pia Hellbach. Der Vorstand müsse klarer als bisher strategische Ziele definieren und Konsequenzen ziehen, wenn diese nicht erreicht würden.

Bei Mitsubishi aussteigen

Sollte sich zum Beispiel die Lage bei Mitsubishi zuspitzen, müsse der Daimler-Vorstand „die Nagelprobe wagen und aussteigen“, sagte der Geschäftsführer der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS, Klaus Kaldemorgen, dieser Zeitung. Daimler-Chrysler ist mit gut 37 Prozent an Mitsubishi beteiligt und nutzt die Produktionsplattform unter anderem für die Fertigung des viertürigen Smart. Schon bei der letzten Hauptversammlung habe man die mangelnde Qualität, das schlechte Management und die hohe Verschuldung der Japaner kritisiert, sagte Kaldemorgen. Es sei nun zu befürchten, dass Schrempp am Mittwoch die Mitsubishi-Beteiligung wieder als elementar für den global aufgestellten Konzern darstelle. Mitsubishi, Chrysler, Smart – „die Expansion war nicht werttreibend, sondern erweist sich zunehmend als wertvernichtend“, kritisiert Kaldemorgen. Dafür müsse letztlich Schrempp die Verantwortung tragen. Ob die DWS ihm am Mittwoch die Entlastung verweigern will, mochte der Fondsmanager nicht sagen. Pikant ist seine Kritik in jedem Fall: Die DWS ist die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, die wiederum mit 12 Prozent der größte Anteilseigner des Autokonzerns ist. Daimler-Chrysler-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper – ehemals Chef der Deutschen Bank – hatte unlängst Schrempps Vertrag vorzeitig verlängert.

Aktionärsschützer werden Schrempp und dem Aufsichtsrat am Mittwoch die Entlastung verweigern. „Der Traum Schrempps von einer riesigen Welt-Auto-AG ist völlig gescheitert“, sagte Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Dem Aufsichtsrat wirft er die frühzeitige Vertragsverlängerung Schrempps vor. Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger (SdK) forderte den Rücktritt Koppers.

Beim Thema Aufsichtsratsvergütung hat Schrempp dagegen bereits eingelenkt. Diese soll jetzt doch nicht an die Entwicklung des Aktienkurses gekoppelt werden. Bei den Managergehältern sollen die variablen Bezüge von 2005 an nach der erzielten Leistung bemessen und die Aktienoptionen abgeschafft werden. Auf der Hauptversammlung werde das neue Modell vorgestellt, sagte ein Sprecher. Die variable Vergütung richte sich künftig nach dem Wettbewerbsvergleich, der Wertschaffung und dem Aktienkurs.

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