Fosun-Gruppe unterliegt im Bieterstreit : Französische Oddo&Cie übernimmt BFH-Bank

Das Pariser Bankhaus Oddo&Cie übernimmt die Frankfurter BHF Bank. Der Chef des Mitbieters Fosun wird weiterhin vermisst.

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Die chinesische Fosun-Gruppe unterlag im Bieterstreit um die Frankfurter BFH-Bank.
Die chinesische Fosun-Gruppe unterlag im Bieterstreit um die Frankfurter BFH-Bank.Foto: REUTERS

Das seit Monaten andauernde Ringen um die Übernahme der traditionsreichen Frankfurter BHF Bank (früher: Berliner Handels- und Frankfurter Bank) scheint entschieden. Die Europäische Bankenaufsicht gab am Freitag grünes Licht für die Übernahme der an der Brüsseler Börse gelisteten BHF Muttergesellschaft BHF Kleinwort Benson durch das Pariser Bankhaus Oddo&Cie. Die Franzosen müssen nur zwei kleinere Auflagen erfüllen.

Oddo kann jetzt die BHF-Anteile von Stefan Quandt und der US-Investmentgesellschaft Franklin Templeton für rund 220 Millionen Euro übernehmen und sich damit die Mehrheit an der BHF sichern. Insgesamt zahlen die Franzosen für die BHF Bank rund 600 Millionen Euro. Im November hatten sie das seit Sommer vorliegende Angebot der chinesischen Investmentfirma Fosun überboten und zugleich heimlich an der Börse weitere BHF-Aktien gekauft, so dass sie bereits jetzt fast 22 Prozent der Anteile halten. Oddo will mit der BHF-Bank seine Präsens in Deutschland ausbauen. Die Franzosen hatten bereits im vergangenen Jahr den Frankfurter Börsenhändler CloseBrothersSeydler gekauft.

Fosun hält noch rund 20 Prozent an BHF

Mit der Zustimmung der Aufsichtsbehörden dürfte Fosun aus dem Rennen sein, obwohl auch die Chinesen von den Aufsichtsbehörden die Zustimmung zum Kauf weiterer BHF-Anteile erhalten haben. Fosun hält knapp 20 Prozent der Anteile und angeblich indirekt weitere 10 Prozent. Den Chinesen gehört bereits die traditionsreiche deutsche Privatbank Hauck&Aufhäuser. Im Sommer war es zum Streit unter den BHF-Aktionären gekommen als angeblich ohne Wissen von Fosun der damalige BHF-Chef Björn Robens wegen Unstimmigkeiten mit Leonhard Fischer, dem Chef von BHF Kleinwort Benson, gefeuert wurde. Fischer ist hierzulande bekannt als ehemaliges Vorstandsmitglied der Dresdner Bank. Die Chinesen wollten Robens, so hieß es im Sommer, nach einer Übernahme angeblich wieder an die Spitze der BHF Bank setzen. Dort allerdings ist er unter den Mitarbeitern dem Vernehmen nach höchst umstritten.

Fosun-Chef weiter verschollen

Fosun gilt als finanzstarke Beteiligungsgesellschaft und ist schon seit Jahren bei Club Med, Tom Tailor und Thomas Cook engagiert. Die Chance von Fosun im Ringen um die BHF dürften allerdings auch deshalb schlecht stehen, weil deren Gründer und Chef Guo Guangchang seit Tagen als verschollen gilt. Der Milliardär ist möglicherweise in Korruptionsfälle verwickelt. Dies berichten chinesische Zeitungen. Angeblich soll Guo in Shanghai von der Polizei abgeführt worden sein. Der Handel der Fosun-Aktien an den Börsen in Hongkong und Shanghai wurde am Freitag ausgesetzt.

Die BHF Bank gilt als eines der angesehensten Geldhäuser in Deutschland. Sie wurde 1954 gegründet. In ihrer heutigen Form entstand sie in den siebziger Jahren aus der Fusion der Frankfurter und der Berliner Handelsgesellschaft. Sie kümmert sich um vermögende Privatkunden und mittelständische Unternehmen. Mitte 2015 verwaltete das Institut mit seinen derzeit rund 1.100 Mitarbeiter Vermögen von insgesamt knapp 44 Milliarden Euro.

Oddo ist eine 160 Jahre alte Finanzdienstleistungsgruppe mit rund 1.300 Mitarbeitern. Das verwaltete Vermögen liegt aktuell bei 61 Milliarden Euro. Mehr als 60 Prozent der Anteile werden von der Familie Oddo gehalten, 30 Prozent von den Mitarbeitern.

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