Wirtschaft : France-Télécom-Aktie kostet für Kleinanleger 182 Franc

Bislang größte Aktienemission in Frankreich / Papier womöglich zehnfach überzeichnet / Staat erwartet umgerechnet 12 Mrd.DM

PARIS (epo/rtr).Die Aktie der staatlichen französischen Telefongesellschaft France Télécom wird 187 Franc (FF) für institutionelle Anleger kosten.Das teilte Frankreichs Finanzminister Dominique Strauss-Kahn am Montag in Paris mit.Privatanleger werden von der Regierung begünstigt: Sie zahlen für den Titel 182 FF.Die Kleinanleger können von Dienstag an Aktien bestellen, am 20.Oktober werden die Titel erstmals an der Pariser Börse notiert.Deutsche Privatanleger können von der Preisermäßigung nur profitieren, wenn sie ein Konto in Frankreich eröffnen.Der Preis liegt nach der gestrigen Ankündigung im oberen Teil des bereits zuvor festgelegten Korridors von 170 bis 190 FF.Die Anleger dürften gleichwohl Kursgewinne verbuchen: Auf dem grauen Markt in London wird die Aktie dem Vernehmen nach mit 210 FF bewertet. In Paris wurde die Aktie am Freitag sogar mit bis zu 213 FF gehandelt.Nach Angaben aus Finanzmarktkreisen ist die für institutionelle Anleger vorgesehene Tranche bereits zehnfach überzeichnet.Die Bank Pairba, die das Emissionskonsortium anführt, wollte dazu nichts sagen.Am Pariser Börsenindex CAC-40 orientierte Fonds kommen Experten zufolge schon deshalb nicht am Kauf von France-Telecom-Aktien vorbei, weil diese künftig das größte Gewicht im Index haben werden. Bei der Aktienplazierung handelt es sich um die größte jemals in Frankreich durchgeführte Aktienemission.Mehr als 2,5 Millionen Privatanleger haben bis Montag Interesse an der französischen Telekom-Aktie gezeigt.Die Nachfrage der institutionellen Anleger summierte sich auf 350 Mrd.FF, sagte Strauss-Kahn.Der Staat dürfte nach dem nun festgelegten Kurs rund 42 Mrd.FF (etwa 12 Mrd.DM) aus der Kapitalöffnung einnehmen.Von den gut 20 Prozent des France-Télécom-Kapitals, die der Staat nun veräußert, sind 11,5 Prozent für institutionelle und 7,5 Prozent für private Anleger bestimmt.2,1 Prozent der Anteilsscheine werden der Belegschaft zu Vorzugskonditionen angeboten.Bei der beobachteten hohen Nachfrage dürfte die Plazierung noch einmal aufgestockt werden, wodurch bis zu 25 Prozent des Kapitals an die Börse gelangen.Im zweiten Halbjahr 1998 wird der staatliche Anteil an der viertgrößten Telefongesellschaft der Welt dann auf rund zwei Drittel sinken.Bis dahin wollen nämlich die Partner France Télécom und Deutsche Telekom einen Kapitalanteil von wahrscheinlich 7,5 Prozent austauschen.Zur Finanzierung dieses Geschäfts wird das France-Télécom-Kapital noch einmal erhöht werden müssen.France Télécom erreicht zuletzt einen Umsatz von 151 Mrd.FF (umgerechnet 45 Mrd.DM). France-Télécom-Präsident Michel Bon verspricht den Anlegern, daß eine Investition in sein Unternehmen - "eine solide Anlage" - eine gute Rendite ohne hohes Risiko verspreche.France Télécom plane, 40 bis 50 Prozent seiner Gewinne auszuschütten, was bei einem erwarteten Überschuß von 14 Mrd.bis 15 Mrd.FF im Geschäftsjahr 1997 einer Dividende zwischen 5,60 FF und 7,50 FF je Aktie entsprechen würde. Einen Kurssturz wie bei der Aktie der Deutschen Telekom hält er für unwahrscheinlich.Denn die staatlichen Regelung der Beziehungen zwischen France Télécom und seinen privaten Konkurrenten besonders in Bezug auf die sogenannten Interkonnektionstarife (der Preis, zu dem die Wettbewerber das France-Télécom-Netz benutzen dürfen) seien in Frankreich bereits getroffen.Unliebsame Überraschungen wie für die Deutsche Telekom werde es deshalb für sein Unternehmen nicht geben. Mit dem deutschen Konzern sowie dem US-Unternehmen Sprint Corp arbeiten die Franzosen international zusammen.Die Regierung hat stets betont, daß sie die France Télécom nicht ganz privatisieren wolle.Nach dem Börsengang, dem für 1998 geplanten Aktientausch mit der Deutschen Telekom und der 1999 vorgesehenen Ausgabe von Bonus-Aktien an institutionelle Anleger werde der Staat mit mindestens 62 Prozent an dem Unternehmen beteiligt bleiben.

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