Wirtschaft : Fremde Welten

Junge Akademiker und Berufseinsteiger können sich bei der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit um ein Stipendium bewerben. Jeder vierte hat Chancen auf eine Förderung

Sabine Olschner

Als es Steffen Kupper zum zweiten Mal nach Korea zog, war er fast fertig mit seinem Studium an der Uni Karlsruhe. Nur noch die Diplomarbeit stand an. Gerade so rutschte der angehende Wirtschaftsingenieur dann, noch ohne Abschluss, in das Heinz Nixdorf-Programm, das sich eigentlich an junge Führungskräfte richtet. Mit Unterstützung des Programms der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ging er für sechs Monate als Praktikant zum Sportwagenhersteller Porsche nach Korea.

Lange hat der 27-Jährige geplant, international Karriere zu machen. Während des Studiums arbeitete er im angloamerikanischen Raum und er war Austauschstudent in Korea. Nun wollte er das ostasiatische Land besser kennenlernen, verstehen, wie die Arbeitswelt dort tickt.

Das Heinz Nixdorf-Programm ist eines von etwa 30 Angeboten, um die sich Studenten, Hochschulabsolventen und Berufseinsteiger bei der GIZ bewerben können. „In der Regel liegt die Altersgrenze bei 30 Jahren“, erklärt GIZ-Mitarbeiter Christian Alscher. Bisher war für diese Programme die für internationalen Austausch zuständige Inwent-gGmbH zuständig. Seit Januar ist Inwent mit dem Deutschen Entwicklungsdienst und der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in dem Bundesunternehmen GIZ zusammengeschlossen.

Weit mehr als 1000 junge Menschen gehen über die GIZ-Programme jährlich ins Ausland. Rund jeder vierte Bewerber bekommt einen Platz, berichtet Alscher. Voraussetzung sind zwar auch gute Noten. Vor allem aber zähle das Motivationsschreiben: Warum plant man bei einer bestimmten Firma in einem bestimmten Land zu arbeiten? Ihren Praktikumsplatz organisieren sich die Teilnehmer selbst. Die GIZ bietet ein Vorbereitungsseminar und gibt einen Zuschuss zu Sprachkursen und Lebenshaltung. Je nach Programm und Zielregion werden die Reisekosten ganz oder zum Großteil übernommen.

Die GIZ-Programme machen es Berufseinsteigern einfacher, zu tun, was viele Arbeitgeber heute erwarten: „Internationale Erfahrungen sind für die Karriere unverzichtbar“, sagt Laufbahnberaterin Julia Funke aus Frankfurt am Main. Außerdem sei es eine Auszeichnung, ein Stipendium zu bekommen. Das sei ein Pluspunkt bei jeder Bewerbung. Der beste Zeitpunkt für solche Aufenthalte sei an Wendepunkten des Lebens: „Studenten verbessern damit ihre Chancen beim Berufseinstieg, Absolventen können zwischen Theorie- und Praxisphase eine Auslandszeit einschieben, und für Berufserfahrene bietet sich solch ein Aufenthalt an, wenn sie sich beruflich verändern wollen.“

HEINZ NIXDORF-PROGRAMM

Das Heinz Nixdorf-Programm bringt Nachwuchsführungskräfte nach Asien und in den pazifischen Raum. Die Teilnehmer erhalten einen Zuschuss zu den Reisekosten, den Sprachkursen und einen Betrag von 1000 bis 1500 Euro zur Lebenshaltung.

Auch Steffen Kupper hat, bevor er das Praktikum in Korea startete, seine Sprachkenntnisse vertieft. „Ich nahm an einem mehrwöchigen Kurs in Bochum teil und war zwei Monate zum Sprachenlernen an einer Uni in Seoul“, berichtet er.

Für das Marketing von Porsche führte Kupper vor Ort ein System ein, mit dem sich die Einhaltung der Corporate-Identity-Richtlinien von Porsche bei den örtlichen Händlern überprüfen lässt. In Korea habe er gelernt, gerechtfertigten von ungerechtfertigtem Stress zu unterscheiden – und gelassener mit Situationen umzugehen, die eigentlich anders geplant waren. Zu schätzen weiß er auch das Alumni-Netzwerk des Programms. „Bei den jährlichen Treffen begegnet man Mitarbeitern interessanter Firmen. An sie kann man sich wenden, wenn man die nächste Karrierestufe erreichen will“, sagt er. Doch dieses Ziel ist noch fern. Er steht gerade am Anfang der jetzigen Stufe. Seit September arbeitet Kupper bei Audi in England.

PRAXISSEMESTER FÜR FH-STUDENTEN

Das Programm „Praxissemester im Ausland für Studierende an Fachhochschulen“ richtet sich an Studenten aus dem Wirtschafts- und Technikbereich. Die Teilnehmer erhalten 400 bis 500 Euro zur Lebenshaltung und die Reisekosten ersetzt.

Juliane Rosenberg ist an der Fachhochschule Kempten für ein Bachelor-Studium in Tourismusmanagement eingeschrieben. Sie ging mit dem GIZ-Fachhochschulprogramm im Jahr 2010 nach Südafrika. „Internationale Erfahrungen im Tourismus sind in meinem Fach unerlässlich“, sagt sie. Vor dem Studium hat sie in Disneyland in Florida und auf Flusskreuzfahrtschiffen in Europa gearbeitet.

In Südafrika plante sie bei einer Oldtimer-Vermietung zu arbeiten, die Touren durch das Land anbietet. Um das Praktikum hatte sie sich aus Deutschland beworben. Vor Ort stellte sie aber fest, dass die Firma fast nur Autos vermietete. Sie suchte sich einen neuen Praktikumsplatz – und wechselte zu einem Fahrradreiseveranstalter.

In Südafrika hat sie gelernt, im Kontakt mit Menschen aus anderen Kulturen nicht vorschnell zu urteilen, sondern sich langfristig ein Bild zu machen. „Vieles versteht man nicht auf den ersten Blick“, sagt sie. Auch fachlich habe sie einiges dazu gelernt. Das werde ihr bei ihrem Berufseinstieg sicher nützlich sein.

FÜR PRAKTIKER: KRAFT-STIFTUNG

DIe Dr. Helmut Kraft-Stiftung qualifiziert berufstätige Nichtakademiker sowie Studierende an Berufsakademien fachlich weiter. Für Berufstätige ist das Stipendium auf drei bis zwölf Monate ausgerichtet, für Studierende auf bis zu zwölf Wochen. Bis zu 500 Euro gibt es zum Lebensunterhalt, außerdem 75 Prozent zu den Reisekosten.

Ronny Schönfelder ist als technischer Mitarbeiter am Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung in Dresden tätig. Derzeit hält sich der 26-jährige Chemielaborant allerdings für ein neunmonatiges Praktikum in Mexiko auf. Im Centro de Investigación Científica de Yucatan (CICY) will er mehr über die Anwendungen von Kohlenstoffnanoröhren lernen, mit denen er sich bereits in Dresden beschäftigt hat.

Auf das Zentrum ist er im Internet gestoßen. Während eines Urlaubs hat er sich dort vorgestellt. Auf der Suche nach finanzieller Unterstützung kam er auf das GIZ-Programm, eines der wenigen Angebote, die auch Nichtakademiker unterstützen.

Dank seines Aufenthaltes spricht der Chemielaborant nun fließend Spanisch und hat viel über Kultur und Lebensweise der Mexikaner gelernt. Sein Wissen über die Kohlenstoffnanoröhren wird ihm nach seiner Rückkehr nach Dresden sehr hilfreich sein. „Und nicht zuletzt habe ich in Mexiko gelernt, wie man im Labor nachhaltiger und sparsamer arbeiten kann, ohne dass die Qualität darunter leidet.“

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