Führungswechsel : Heinen neuer Chef für Super-Airbus-Programm

Überraschender Wechsel an der Spitze des Airbus-Programms zum Bau des A380: Airbus benannte den Luxemburger Mario Heinen zum neuen Leiter für das Projekt der weltgrößten Passagiermaschine.

Toulouse - Airbus hat weitere Konsequenzen aus den Verzögerungen beim Bau seines Riesenflugzeugs A380 gezogen. "Mit sofortiger Wirkung" bestimmte der europäische Flugzeugbauer den früheren Lufthansa-Manager Mario Heinen zum neuen Chef des Programms für die größte Passagiermaschine der Welt. Der Luxemburger ersetzt Airbus-Vize Charles Champion, der fortan nur noch Berater von Konzernchef Christian Streiff ist.

Wegen Problemen mit der Elektronik hatte Airbus im Juni die Auslieferung des A380 um durchschnittlich sechs bis sieben Monate verschieben müssen. Zwar soll der erste A380 weiter zum Jahresende bei Singapore Airlines in Dienst gestellt werden; 2007 sollen aber statt geplanter 20 bis 25 Exemplare nur neun Maschinen ausgeliefert werden. 2008 und 2009 werden dann mindestens jeweils fünf Maschinen weniger als geplant an die Kunden gehen. Die Probleme hatten der Aktie des Airbus-Mutterkonzerns EADS einen schweren Kurseinbruch beschert und zum Rücktritt von EADS-Ko-Chef Noël Forgeard sowie Airbus-Chef Gustav Humbert geführt.

Keine offizielle Kritik an Champion

Der 50-jährige Heinen war 1999 von der Lufthansa Technik zu Airbus gewechselt. In seinen vier Jahren als Leiter des Programms für die Mittelstreckenflugzeuge der A320-Familie habe Heinen "hervorragende Führungsqualitäten und ausgezeichnete Managementfähigkeiten" unter Beweis gestellt, erklärte der französische Airbus-Chef Streiff. "Unter seiner Verantwortung erzielte die A320-Familie reibungslos Rekordergebnisse in der Serienfertigung." Zuvor war er bei Airbus für die Auslieferungszentren in Toulouse und Hamburg zuständig gewesen und habe dort "für große Zufriedenheit bei den Kunden gesorgt".

Offiziell Kritik gab es nicht an Champion, der das A380-Programm seit dessen Start Ende 2000 geleitet hatte. Streiff bedankte sich bei ihm "für den außerordentlichen Beitrag" zum A380. "Ich freue mich darüber, dass er seine immense Erfahrung in seiner neuen Rolle als Berater weiter mit Airbus teilen wird." Die Abberufung des 51-Jährigen so kurz vor der Auslieferung des A380 kann aber wohl nur als Sanktion gewertet werden. Champion war seit Juli 2005 auch Leitender Geschäftsführer bei Airbus gewesen und damit die Nummer zwei im Konzern. Neuer Chef des A320-Programms wird der 49-jährige Airbus-Mann Alain Flourens. (tso/AFP)

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