Wirtschaft : Für den Einstieg in lang laufende festverzinsliche Wertpapiere sprechen zurzeit nur wenige Argumente

Felix Schönauer

Das Jahr 1999 geht nicht als gutes Jahr für Rentenmärkte in die Geschichte ein. Zwar konnte die Rendite der marktbestimmenden zehnjährigen Bundesanleihe nach den Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) deutlich zulegen. Ein Anstieg von einem Niveau unter vier Prozent zu Anfang des Jahres auf aktuell gut fünf Prozent veranlasst aber wohl niemanden dazu, massiv Anleihen in sein Depot zu nehmen. Auch wer auf kurzfristige Kursgewinne hoffte, wurde 1999 enttäuscht. Erst mit der jüngsten Novemberhausse stiegen die Kurse der Zehnjährigen zeitweise auf mehr als 102 Prozent und damit über das Niveau vom Jahresanfang von gut 100 Prozent.

Für das kommende Jahr stimmen die Strategen in einem Punkt überein: Es bleibt schwierig. Am drastischsten umschreibt es die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs in ihrem jüngsten Marktbericht. Ihre Vermögensverwaltungs-Strategie für das Jahr 2000 lautet: "Goodbye bonds". Goldman rechnet mit einer Rendite aus Anleihen von vier Prozent, verglichen mit sieben Prozent aus Aktien und 18 Prozent aus Rohstoff-Papieren. Bemerkenswert ist, wie schnell der Stimmungsumschwung am Rentenmarkt erfolgt: Die jüngsten Aussagen stehen im krassen Gegensatz zu Bemerkungen von vor drei Monaten, als die Rentenstrategen die Wende zu höheren Zinsen förmlich herbeiredeten. Am Ende des Millenniums weiß nun niemand mehr, wo die Reise hingeht. Vor allem die Entwicklung der Inflationsraten liegt im Dunkeln. Steigende Raten veranlassen die Zentralbanken zu Zinserhöhungen. Das drückt die Anleihekurse der Papiere am Markt und erhöht die Renditen der neuen.

Unabhängig davon rechnen die Rentenexperten jedoch mit starken Kursgewinnen zu Jahresbeginn. Der Liquiditätsschub, der sich ohnehin im Januar eines jeden Jahres ausmachen lässt, wird durch das Jahr-2000-Problem noch einmal verstärkt. Institutionelle Anleger haben sich zum Jahresende 1999 zurückgehalten, um das Ausmaß etwaiger, durch Computer-Pannen ausgelöster Störungen abzuwarten. "Diese Bewegung kann der Privatanleger aber kaum mitnehmen", sagt Holthusen. Er erwartet einen Kursanstieg zwischen einem und 1,5 Prozentpunkten. Bei Transaktionskosten um 0,5 Prozent je Kauf und Verkauf wird der Gewinn jedoch nahezu vollständig aufgefressen. Wer als Trader aber auf die Rückkehr der Profis zu Jahresbeginn setzen will, sollte für die nächsten Monate in Staatspapiere gehen. Diese am stärksten gehandelten Papiere würden einen Kursaufschwung gewiss mitmachen, sagt Thorsten Weinelt, Rentenmarktstratege der Hypo-Vereinsbank. Die Aussichten werden sich nach der Anfangs-Rallye im Jahresverlauf eintrüben. "Das erste Quartal wird schwierig", sagt Helmut Kaiser, Leiter der Renten- und Währungsstrategie im Privatkundengeschäft. Wegen der Inflationsängste würden zunehmend Risikoaufschläge auf die Rentenpapiere kommen, sagt Heinz Gunasekera von Warburg Dillon Read. Deshalb "sollte man zu Beginn des Jahres nicht voll investiert sein".

Spätestens im zweiten Halbjahr rechnen die Experten dann mit einer anspringenden Konjunktur in Euroland und einem deutlichen Renditeanstieg langfristiger Papiere. Holthusen sieht eine Rendite der Zehnjährigen von 5,30 bis 5,50 Prozent als lukrative Einstiegsbasis, Stefan Grothaus aus dem Renten- und Währungsresearch der WGZ-Bank hält 5,8 bis 5,9 Prozent für ein gutes Einstiegsniveau. Dem Privatanleger bleiben mehrere Einstiegsmöglichkeiten: Wer auf höhere Renditen warten will, sollte sein Geld für mehrere Monate parken, raten die Banker. Mit Dreimonats-Festgeld lassen sich kurzfristig Zinsen um 3,5 Prozent einfahren. Die niederländische Finansbank versüßt das Warten sogar mit 4,25 Prozent auf täglich kündbares Tagesgeld.

Wer kurzfristig an Kursgewinne glaubt, hat mehrere Alternativen, noch mehr aus seinem Geld zu machen. Helmut Kaiser von der Deutschen Bank rät zu Floating Rate Notes. Diese variabel verzinsliche Euro-Anleihe legt bei steigenden Zinsen zu. Risikofreudigere Investoren können schon jetzt in Papiere mittlerer Laufzeit zwischen drei und fünf Jahren einsteigen. Das bietet einen Vorteil: Steigen die Kurse wie erwartet im Januar, kassieren Anleger neben der anteiligen Verzinsung die, wenn auch geringen, Kursgewinne. Sollte die Rallye am Bondmarkt Anfang des Jahres enden, können sie immer noch aussteigen und das Geld parken, bis sich attraktive Renditen ergeben.

Von Papieren mit einer Laufzeit zwischen einem und drei Jahren raten die Experten ausdrücklich ab. Wegen ihrer kurzen Lebensdauer reagierten diese Papiere sofort auf gravierende Veränderungen wie Zinserhöhungen. Sollten die Leitzinsen wie erwartet im nächsten Jahr steigen, bekommen die Kurse "einen auf den Deckel", wie Kaiser von der Deutschen Bank sagt.

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