Wirtschaft : „Für uns ist das traurig, aber nicht dramatisch“

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Herr Börner, halten Sie eine große Koalition noch für machbar?

Überrascht bin ich von der Entwicklung schon. Die Führenden haben offenbar allesamt keine Machtbasis. Ich war nie ein Freund der großen Koalition und sehe mich bestätigt, dass sie nicht funktionieren kann. Aber Neuwahlen wären falsch, die Verfassung ist da ziemlich klar. Ich war und bin für SchwarzGelb-Grün, nachdem Schwarz-Gelb keine Mehrheit hat und die große Koalition am Ende ist, bevor sie überhaupt angefangen hat.

Wie lange kann sich der Standort Deutschland diese Lage leisten?

Wir sind erfolgreich auf allen Weltmärkten zu Hause und haben uns mit der Situation hier mehr oder minder abgefunden. Deutschland ist ein wichtiger Standort, aber nur einer unter vielen. Wenn man darauf wartet, dass wir unter diesen Bedingungen hier Arbeitsplätze schaffen können, dann sieht’s schlecht aus. Das wird nicht passieren. Es rechnet sich nicht. Für uns ist das traurig, aber nicht dramatisch.

Es ist also egal, wer regiert?

Egal nicht. Wir würden lieber klare Verhältnisse sehen. Dann könnte es langfristig wieder Sinn machen, in Deutschland zu investieren. Aber man muss das Wahlergebnis akzeptieren. Wenn sich die Menschen gegen eine Modernisierung des Standorts aussprechen, dann müssen sie auch mit den Konsequenzen leben.

Anton Börner

ist Präsident des

Bundesverbandes

des Deutschen Groß- und Außenhandels. Mit ihm sprach Moritz

Döbler.

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