Wirtschaft : Fusionswelle treibt Kredite auf Rekordniveau

Nach den Krisen des letzten Jahres ist auf den internationalen Finanzmärkten im zweiten Quartal 1999 wieder eine gewisse Stabilität zurückgekehrt. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beobachtete zugleich eine neue Risikobereitschaft der Banken und Wertpapieremissionen in Rekordhöhe.

Die Kreditvergabe der Banken der Industrieländer wurde im zweiten Quartal vor allem durch die weltweite Übernahme- und Fusionswelle angeheizt, wie die BIZ in ihrem Quartalsbericht schreibt. Das Geschäft für internationale Konsortialkredite beschleunigte sich im Vergleich zum Vorquartal um 62 Prozent und erreichte ein Volumen von 273 Mrd. Dollar. 22 Prozent der Kreditzusagen betrafen die Finanzierung von Übernahmen. Der mit Abstand größte Kredit in Höhe von 22,5 Mrd. Euro wurde für die feindliche Übernahme der Telecom Italia durch Olivetti bereit gestellt.

Der Anstieg der Kreditfinanzierungen für Übernahmen, der nach der Russlandkrise zurückgegangen war, unterstreicht laut BIZ die neue Risikobereitschaft der größten Banken der Welt. Auch die Kreditvergabe in die Schwellenländer zog im zweiten Quartal wieder an und verdoppelte sich auf 14 Mrd. Dollar.

Ein Rekordvolumen verzeichnete die BIZ im zweiten Quartal des laufenden Jahres auf den internationalen Wertpapiermärkten. Treibendes Element sei die beschleunigte Kreditverbriefung in Europa gewesen. Hinzu kam ein Rückgang bei den Tilgungen. Auch die Rückkehr von Schuldnern aus den Schwellenländern habe im Berichtsquartal angehalten. Als bemerkenswert wertet die Bank der Zentralbanken den anhaltenden Auftrieb der Wertpapieremissionen in Euro, trotz der Schwäche der europäischen Einheitswährung. Das Volumen der internationalen Schuldverschreibungen erhöhte sich gegenüber dem ersten Quartal um 24 Prozent auf netto 321,6 Mrd. Dollar. Der Wert der angekündigten Anleihen und Notes belief sich auf 446,4 Mrd. Dollar, das sind neun Prozent mehr als im Vorquartal.

In einem separaten Kapitel beleuchtet die BIZ den Prozess der Restrukturierung im internationalen Bankgeschäft und prognostiziert eine weitere Konzentration mit sinkender Zahl von Banken und Arbeitsplätzen. Am weitesten vorangeschritten ist die Restrukturierung im Bankgewerbe laut BIZ in den skandinavischen Ländern, die in den späten 80er und frühen 90er Jahren von einer Bankenkrise heimgesucht worden waren. Europa und Japan hinkten den englischsprachigen Ländern hinterher.

Die Europäische Währungsunion sei ein wichtiger Katalysator für die Umgestaltung des Bankensystems, schreibt die BIZ. Sie bringe eine größere Preistransparenz und nehme in den einzelnen EWS-Ländern den Banken den Wettbewerbsvorteil einer eigenen Währung.

Ein wichtiger Faktor für die ungleiche Entwicklung seien die Unterschiede bei den Möglichkeiten, Stellen abzubauen und die Personalkosten zu senken. Anzeichen für einen Abbau solcher Hindernisse seien erst seit kurzem zu erkennen. Die Bank der Zentralbanken betrachtet den anhaltenden Restrukturierungsprozess als nötig und wünschenswert, macht aber auch auf Risiken aufmerksam.

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