Wirtschaft : Fußball-Bundesliga wird TV-Quotenliga

JOACHIM HUBER

Was Ted Turner kann, das kann Rupert Murdoch schon lange.Der CNN-Gründer besitzt in Atlanta Baseball- und Basketball-Klubs, die in den Fernsehkanälen von Time Warner eine herausragende Rolle spielen.Murdoch hat sich in amerikanische Baseball-, Basketball- und Eishockeymannschaften eingekauft, übrigens gegen Turners heftigen Widerstand.Beide Medienbosse haben die Erkenntnis umgesetzt, daß die Teilhabe an Sportklubs eine herausragende Programmierung in den eigenen Angeboten ermöglicht.Der massenattraktive Sport wird Mittel kommerzieller TV-Veranstaltung, was sich spätestens bei Werbeeinnahmen, Pay-TV-Erlösen, Merchandising etc.etc.wieder auszahlt.Profi-Teams zu besitzen, ist nichts anderes als der Besitz von Filmstudios, eben die gesamte Verwertungskette von der Produktion bis zur Ausstrahlung einer Sendung in einer Hand zu halten.

Was Leo Kirch kann, das kann Rupert Murdoch schon lange.Kirch hat die Senderechte an den Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006 gekauft, um damit sein digitales Abonnenten-Fernsehen attraktiv zu bestücken.Das hat ihm politischen Ärger und die Volksbewegung "Freiempfangbarer WM-Fußball für freie Fernsehbürger" eingebracht.Kirch ist in der Drift.Murdoch ist geschickter.Er kauft den Fußballverein Manchester United, der in die geplante europäische Superliga integriert werden soll.Murdoch nimmt niemandem etwas weg, wenn er über den neuen Wettbewerb Abonnenten für sein digitales Fernsehen ziehen will.Zusätzlicher Fernsehfußball für zusätzliches Fernsehen.Das funktioniert ja auch bei Premiere, wo Bundesliga-Fußball live und exklusiv angeboten wird, ohne daß dem gemeinen Fußballfan bei Sat 1-"ran" etwas vorenthalten wird.

Das angloamerikanische Modell wird auch in Deutschland vermehrt Schule machen.Gehört Hertha BSC nicht schon längst der Bertelsmann-Fernsehtochter CLT/UFA? Unsichtbar sitzt deren Boß Rolf Schmidt-Holtz bereits am Tisch der Bundesliga.Er regiert mit bei der Vergabe der Fernsehrechte; tatsächlich bestimmen die TV-Verantwortlichen über den mittlerweile täglichen Bildschirm-Fußball.Das hat den Boom nicht behindert.Nur der althergebrachte Begriff Sport gehört da nicht mehr hin.Das ist Geschäft, pures Geschäft, sobald die Quoten nicht mehr stimmen, wird ein Team abgestoßen, ein anderes eingekauft.Bei allen Sparten des TV-Business greift dieses Prinzip.Nur beim Fernseh-Sport schmerzt es noch ein wenig.

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