Wirtschaft : Fußball-WM: Vorentscheidung über Medienzentrum

alf

Berlin (alf). Der kommende Sonntag ist in zweifacher Hinsicht von Bedeutung für die Messe Berlin. Hier wird ein neues Parlament und damit gewissermaßen ein neuer Eigentümer der Messegesellschaft gewählt, und in München sammeln der FC Bayern und die Löwen gemeinsam Unterschriften für den Bau eines neuen Stadions. Und wenn es in München keine neue Arena gibt, dann dürfte das Medienzentrum der Fußball-WM 2006 in Berlin eigerichtet werden und eben nicht in München, wie sich das der WM-Organisator Franz Beckenbauer vorstellt. Auf das Medienzentrum für rund 25 000 Journalisten sind die Messegesellschaften aus guten Gründen scharf: Für rund zehn Monate, vom Oktober 2005 bis Juli 2006, will der Deutsche Fußballbund etwa 40 000 Quadratmeter für das Fernsehzentrum buchen. Doch auch, wenn Berlin nicht den Zuschlag bekommt, will Berlins Messechef Raimund Hosch eine neue Halle für Mediennutzung inklusive Fernsehshows bauen. Bis spätestens 2006 soll die 150 bis 200 Millionen Mark teure TV-Arena unterm Funkturm betriebsbereit sein, kündigte Hosch am Montag an.

Auch sonst hat der Berliner Messegeschäftsführer große Pläne. Von einer klassischen Messegesellschaft, die Ausstellungen und Kongresse organisiert, will er die Messe Berlin zu einem "Businessbroker" entwickeln: Ein Dienstleister, der die Bereiche Messe, Internet und Medien verbindet und sich zum Ziel setzt, den Umsatz des Kunden zu erhöhen. Hosch zufolge geben deutsche Unternehmen jedes Jahr rund 150 Milliarden Mark für Kommunikation, für Werbung und Marketing aus. Nur drei Prozent dieser Summe bleibe bei den Messegesellschaften hängen. Viel zu wenig, meint Hosch, der den Kunden künftig ein "ganzheitliches Angebot" zur Verkaufsförderung machen will.

Dabei setzt der Manager, der 1999 von der Frankfurter Messe nach Berlin kam, vor allem auch auf das Internet. Ende kommenden Jahres sollen alle in Berlin stattfindenden Messen respektive deren Aussteller im Netz abrufbar sein. Für eine Gebühr von 300 bis 600 Euro - je nachdem, wie viele Produkte die Unternehmen im Netz präsentieren wollen - ist man auf dem virtuellen Marktplatz der Messe Berlin dabei. In 2003 soll der Internetauftritt der Messe Berlin erstmals Gewinn abwerfen.

Für die künftige Ertragslage der Messegesellschaft insgesamt ist Hosch weniger optimistisch. Im laufenden Jahr werde es einen Verlust geben, weil das Land die Messe unter anderem mit höherer Pacht um rund 20 Millionen Mark zusätzlich belastet habe. Der Umsatz in 2001 werde zwischen 235 und 245 Millionen Mark liegen nach 250 Millionen Mark im Vorjahr. Für die nächste Zukunft rechnet der Messechef mit "einigen Jahren Verlust", da das Unternehmen große Investitionen in das Grundstück (neben dem Medienzentrum vor allem ein neuer Südeingang) und in die weitere Entwicklung zum "Businessbroker" vornehmen müsse. Dagegen wäre die Messe Berlin "bereits in zwei Jahren top", wenn das eigentliche Messegeschäft von der Immobilie getrennt werden könnte. In dem Fall - das Land bleibt Eigentümer der Flächen und Hallen und verpachtet an die Messe - wäre es Hosch zufolge auch wesentlich leichter, Partner für die Messe zu gewinnen. Insbesondere Finanzinvestoren hätten Interesse angemeldet. Eine Teilprivatisierung wäre aus Hoschs Sicht im Übrigen am ehesten möglich, wenn die Berliner am kommenden Sonntag eine Ampelkoalition wählten.

Die Mittel für die Investitionen bekommt die Messe vor allem durch die Vermarktung von Grundstücken im Norden des Geländes. Für zwei Hotelneubauten beginnen die Ausschreibungen im November: Zum einen betrifft das den Hammarskjöldplatz am Nordeingang des Messegeländes und zum anderen das als Parkplatz genutzte Gelände entlang der Stadtautobahn zwischen ICC und Kaiserdamm. Insgesamt sollen die Hotels mehr als 1000 Betten anbieten, ferner sind unter dem Hammarskjöldplatz 2000 Autostellplätze geplant. Ein Großteil der Erlöse aus diesen Projekten fließt in einen neuen Südeingang. Da die in den 90er Jahren entstandenen Ausstellungshallen ein Kellergeschoss haben, will die Messe für den Südeingang rund neun Meter Erdreich abtragen, damit die Besucher gleich auf der "Kellerebene" das Gelände betreten können. Gesamtkosten inklusive Abriss der Eissporthalle: 110 Millionen Mark.

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