Gamescom : Viele Strapazen für wenige Minuten Spaß

Die Kölner Videospielmesse Gamescom zieht jedes Jahr mehr Besucher an – es sind auch immer mehr Frauen darunter.

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Hunderttausende kommen jedes Jahr zur Gamescom in die Kölner Messehallen.
Hunderttausende kommen jedes Jahr zur Gamescom in die Kölner Messehallen.Foto: dapd

Das Ende der Schlange ist nicht zu sehen, sie verschwindet hinter einer Ecke. „Wartezeit ab hier drei Stunden“ steht auf einem Schild, darunter prangt das feurige Logo des Rollenspiels „Diablo“. Ungeduld zeigen die Wartenden kaum: Gelassen schieben sie sich Meter um Meter vorwärts, keiner drängelt, keiner protestiert. Und das, obwohl es schwül und stickig ist in Halle 6, obwohl man sich kaum unterhalten kann, weil die gewaltigen Messestände der Spielefirmen einen ohrenbetäubenden Lärm verbreiten. Den Wartenden am Stand von Activision ist das egal: Stundenlang harren sie aus, nur um 15 Minuten das neue „Diablo III“ zu spielen, das ein Dreivierteljahr später erscheinen wird.

So wie 2011 wird die Gamescom ihren Besuchern auch in diesem Jahr einiges abverlangen. Hunderttausende strömen jedes Jahr in die Kölner Messehallen, um die neuesten Errungenschaften der Spielebranche zu begutachten. 2011 kamen an fünf Messetagen 275 000 Spielefans und Fachbesucher. Die Veranstalter mussten die Messetore sogar vorübergehend schließen, weil der Andrang alle Erwartungen überstieg. Die Gamescom ist – gemessen an Besucherzahl und Ausstellungsfläche – die größte Videospielmesse der Welt, noch vor der E3 in Las Vegas oder der Tokyo Game Show. Seit ihrem Umzug von Leipzig nach Köln in 2009 hat die Gamescom jedes Jahr einen neuen Besucher- und Ausstellerrekord hingelegt. Auch 2012 ist die Messe auf Rekordkurs.

Die Besucher nehmen viele Strapazen auf sich: Gedrängel, Dauerbeschallung, stundenlanges Warten für wenige Minuten Spielspaß und Werbegeschenke. Außenstehenden erschließt sich die Faszination nicht direkt. Vielleicht auch deshalb dient die Gamescom immer wieder dazu, alte Vorurteile über Computerspieler zu bestätigen. 2011 charakterisierte das RTL-Magazin „Explosiv“ die Teilnehmer in einem Beitrag als Modemuffel mit Beziehungsstörungen. Einheitslook seien „dunkle Schlabberklamotten, die manchmal etwas schlecht riechen“. Die Spielergemeinde reagierte mit Beschwerden und Boykottdrohungen auf diese Darstellung „als Menschen zweiter Klasse“. RTL entschuldigte sich für den – nach eigener Aussage – satirisch gemeinten Beitrag, der immer noch auf Youtube abrufbar ist.

Dauerhaft lassen sich Spielefans den Spaß an der Gamescom nicht verderben. Nirgendwo sonst bekommt man einen so guten Überblick über Trends und Neuheiten, nirgendwo sonst treffen Spielefans so viele Gleichgesinnte zum Feiern, Fachsimpeln und natürlich Spielen. Zwar wurden die wichtigsten neuen Geräte zuletzt fast immer auf der E3 im Juni vorgestellt – wie die Bewegungssteuerungen Kinect und Move, die Mobilkonsole 3DS und die im Winter erscheinende Konsole Wii U. Für Gamescom-Besucher ist das aber fast schon zweitrangig, weil sie mit einem breiten Rahmenprogramm – Konzerte, eSport, Hochseilgarten und mehr – bestens unterhalten werden. So ändert sich auch die Besucherstruktur der Messe nach und nach: Waren es früher meist männliche Jugendliche, die die Hallen füllten, so gewinnt das Programm für weibliche Spieler und Familien zusehends an Attraktivität.

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