Wirtschaft : Gegen Wechselkurspolitik

KÖLN (vdr / HB).Einer Wiederbelebung der Wechselkurspolitik hat Peter M.Schmidhuber, Mitglied des Zentralbankrats der Deutschen Bundesbank, eine deutliche Absage erteilt.Anläßlich einer Informationstagung der deutschen Sparkassenorganisation zur Europäischen Währungsunion in Köln sagte er, dies sei keine brauchbare Strategie und habe keine Chance zur Verwirklichung.Die Ratio einer Wechselkurspolitik sei nicht unbedingt ersichtlich, da der Außenbeitrag des Eurolandes nur bei schätzungsweise rund zwölf Prozent und unter Einbeziehung aller 15 Mitgliedsländer nur bei rund neun Prozent liege, und damit amerikanische Größenordnung erreiche.Einem möglichen realwirtschaftlichen Nutzen durch Glättung von Wechselkursbewegungen stünde, wie das System von Bretton Woods gezeigt hätte, die Gefahr gegenüber, daß eine Aufblähung der Geldmenge im Inland zu inflatorischen Entwicklungen führt.

Nach Einschätzung von Wolfgang Gerke von der Universität Erlangen ist das deutsche Kreditgewerbe im nächsten Jahrzehnt erheblichen globalen Veränderungen ausgesetzt.Die Einführung des Euros wirke dabei wie ein Katalysator, der bestimmte Entwicklungen beschleunige.Zu den Einflußfaktoren des kreditwirtschaftlichen Wandels zählt Gerke neben dem Euro die neuen Technologien, die Veränderungen in der Gesellschaft und den internationalen Wettbewerb.Die größten Defizite der Sparkassen, um im globalen Wettbewerb zu stehen, sieht Gerke in ihrer historisch gewachsenen Organisationsstruktur.Das Hauptproblem werde sein, wer als erster die Probleme der dezentralen, politisch durchmischten Organisation beseitigt.Dies gelte auch für den Genossenschaftssektor.Über Synergien bei Zusammenschlüssen von Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die sich nach seiner Auffassung oft hervorragend ergänzen, werde nicht nachgedacht, weil es historisch nicht paßt.Große Chancen für Banken und Versicherungen sieht Gerke im Rahmen der Altersvorsorge.Die Verschiebung von der Alterspyramide zum Alterspilz erfordere von der Kreditwirtschaft eine intensive Orientierung an den Bedürfnissen des privaten wie des Firmenkunden.

Technisch-organisatorisch ist der Sparkassensektor, wie Patrick Steinpaß vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband in Bonn erläuterte, gut für den Eurostart gerüstet.Kopfzerbrechen bereitet den Sparkassen die "Umschulung" der Kunden auf den Euro.Im Zahlungsverkehr muß künftig das Währungsfeld korrekt ausgefüllt werden.Probleme kann es geben, wenn die jährlich etwa zwei Milliarden manuell ausgefüllten Sparkassen-Überweisungen nicht das Kreuz an der richtigen Stelle des Formulars aufweisen.

Kontrovers diskutiert wurde auf der Veranstaltung, wie weit die geschäftlichen Vorbereitungen auf das Eurozeitalter im Sparkassensektor gediehen sind."Wir sind der Marktführer, das wollen wir auch bleiben", äußerte Sparkassenvorstand Ingo Ellgering (Kreissparkasse Köln) selbstbewußt.Die Sparkassen seien zwar Marktführer, entgegnete Gerke, sie gestalteten aber nicht die Zukunft.

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