Gehälter : Siemens-Chef steigt zum Topverdiener auf

Josef Löscher, Chef von Siemens, verdiente im vergangenen Jahr knapp zehn Millionen Euro. Er könnte damit sogar Josef Ackermann überholt haben. Siemens hatte das Geschäftsjahr 2008 im September beendet – bevor die Finanzkrise eskalierte.

Corinna Visser
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Siemens-Chef Peter Löscher. -Foto: K. Kleist-Heinrich

BerlinSiemens-Chef Peter Löscher ist zu einem der bestverdienenden Dax-Vorstandschefs aufgestiegen. Insgesamt knapp zehn Millionen Euro hat Löscher für 2008 von Siemens erhalten. „Wir gehen davon aus, dass Herr Löscher im vergangenen Geschäftsjahr auf Platz eins oder zwei der Topverdiener im Dax gelandet ist“, sagt Marco Cabras, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Siemens hat das Geschäftsjahr 2008 im September beendet – bevor die Finanzkrise eskalierte. „Bei allen anderen Unternehmen müsste sich die Krise in den Bilanzen deutlich bemerkbar machen – und damit auch bei den Gehältern der Vorstandschefs“, sagt Cabras. „Sie werden sinken.“

2007 landete der Siemens-Vorstandschef, der im ersten Halbjahr noch Klaus Kleinfeld war, mit einer Gesamtvergütung von sechs Millionen Euro unter den Topverdienern im Dax auf Platz fünf. Vorne lagen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (knapp 14 Millionen Euro), Daimler-Chef Dieter Zetsche (zehn Millionen) und Linde-Chef Wolfgang Reitzle (acht Millionen). Löscher verdiente in seinem ersten halben Jahr bei Siemens 1,7 Millionen Euro. Auch Alexander von Preen, Vergütungsexperte der Managementberatung Kienbaum, geht davon aus, dass angesichts des allgemeinen wirtschaftlichen Umfelds vor allem der variable Teil der Vergütung der Topmanager dahinschmelzen wird. In den Führungsetagen der Dax-Konzerne macht das fixe Grundgehalt im Schnitt nur noch 20 Prozent aus, die erfolgsabhängigen Boni dagegen 50 Prozent. „Für Dax- Vorstände wird es in diesem Jahr sehr schwer sein, eine Gesamtvergütung im zweistelligen Millionenbereich zu erzielen“, sagt von Preen. „Herr Löscher bildet da sicher eine Ausnahme.“

Auf der Siemens- Hauptversammlung am 27. Januar in München muss Löscher mit Kritik an seinem Spitzengehalt rechnen. „Das ist überhaupt nicht angemessen“, sagt der Vorsitzende des Vereins der Belegschaftsaktionäre, Manfred Meiler. „In dieser Zeit schon gleich gar nicht.“ Die enorme Steigerung der Vergütung des Vorstandschefs in so kurzer Zeit sei nicht nachvollziehbar und ein falsches Signal, meint Meiler. „Früher war Siemens in der Gehaltsstruktur sehr moderat. Diese Zeiten sind leider vorbei.“ Grundsätzlich müsse es eine Obergrenze für das Gehalt von Vorstandsvorsitzenden geben.

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