Wirtschaft : George Soros investiert in Berliner Büroräume

Henrik Mortsiefer

Berlin - Die Apellas-Gruppe, ein zu einem Fonds des Milliardärs George Soros gehörender Investor, will sich im großen Stil auf dem Berliner Gewerbeimmobilienmarkt engagieren. „Wir sind bereit, sehr viel zu investieren“, sagte Geschäftsführer Claus Merten am Dienstag dem Tagesspiegel. Mit dem nötigen Kapital sei Apellas ausgestattet, es komme allein auf die Gelegenheiten in der Hauptstadt an. Apellas sondiere derzeit sehr aktiv den Berliner Markt.

Die Nachfrage nach Büroraum werde sich mittelfristig spürbar beleben, der Gewerbeimmobilienmarkt sei im Vergleich zum Wohnungsmarkt moderat bewertet, fügte Veit Fischer hinzu, Geschäftsführer der Parkviertel Dahlem Grundstücksgesellschaft, einer Apellas-Tochter. „Die Chancen sind größer als bei Wohnimmobilien, und der Nachholbedarf ist angesichts des Leerstands groß.“ In der Axel-Springer-Straße hat Apellas unlängst Büroräume für zehn Millionen Euro erworben.

Der Fonds, der Apellas finanziert, ist dem Vernehmen nach mit einer Milliarde Euro ausgestattet. Er sammelt bei amerikanischen und japanischen Versicherungen, Pensionsfonds und Banken Kapital ein, um es in Deutschland und Japan anzulegen. Gegründet wurde die Gesellschaft 2003 mit dem Kapital der Soros Real Estate Investors. Börsenspekulant Soros hat aber keinen Einfluss auf das operative Geschäft. Kürzlich hatte Apellas 4900 Wohnungen in Berlin an die Gagfah, die Wohnimmobilienholding des Finanzinvestors Fortress, verkauft. Gagfah ließ sich 5900 Wohnungen insgesamt 370 Millionen Euro kosten. Apellas hatte Anfang 2007 angekündigt, künftig auf dem Gewerbeimmobilienmarkt zu investieren.

„Der Berliner Markt gibt viel her, aber investieren wollen auch andere“, gibt Albrecht von Witzendorff, Immobilienexperte bei Ernst & Young, zu bedenken. „Internationale Anleger sind an Berlin interessiert.“ Der Umzug weiterer Behörden an die Spree, der Bau des Großflughafens, die Nähe zu Osteuropa – all das ziehe Kapital an. Witzendorff teilt die Einschätzung, dass sich das Preisniveau für Büroräume stabilisiert und die rasante Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt auf gewerbliche Immobilien abfärben könnte.

Erste Hinweise gab es 2006: In Berlin fanden nach Angaben des Immobiliendienstleisters Atisreal 586 000 Quadratmeter Büroraum neue Mieter, bei einem Höchstpreis von 20,50 Euro je Quadratmeter. Auch die Investitionen in den Kauf von Büro- und Gewerbeimmobilien stiegen 2006 in Deutschland auf ein Rekordniveau. Insgesamt wechselten Büro- und Gewerbeimmobilien für einen Gesamtpreis von 4,34 Milliarden Euro den Besitzer, das waren fast 40 Prozent mehr als 2005. Aber: In Berlin stehen immer noch gut 1,6 Millionen Quadratmeter Büroraum leer.

„Büroimmobilien in Berlin sind nicht so attraktiv wie zum Beispiel in London oder Paris“, räumte auch Apellas-Chef Merten ein. Das Mietniveau werde sich mittelfristig wohl auch nicht an das anderer europäischer Metropolen annähern. Berlin sei aber ein „attraktiver Nischenmarkt“, auf dem man wählerisch sein müsse. „Berlin-Mitte, das Regierungsviertel, aber auch Lagen, die für die Ansiedlung von Unternehmen interessant sind, werden an Wert gewinnen“, schätzt Merten. „Es wird weiter einen Zuzug in die Stadt geben.“

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