Wirtschaft : Gerechtigkeit - eine Frage des Alters

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Was ist Gerechtigkeit? Dieser Frage müssen sich die Politiker in den kommenden Jahren stellen. Denn wegen der RentenMisere, ausgelöst durch die immer höhere Lebenserwartung und die sinkende Geburtenrate, steht die Sozialversicherung vor großen Finanzproblemen. Doch die Last der Demographie ist unter den Generationen ungleich und ungerecht verteilt. Wer gerecht sein will, muss eine Generationenbilanz aufstellen: Die Jungen müssen immer mehr Geld in die Rentenversicherung pumpen, trotzdem werden sie eines Tages nur eine mickrige Rendite bekommen. Die Älteren indes, die für die meisten Probleme verantwortlich sind, leben nicht schlecht in diesem System.

Die Alten: Zumindest die meisten. Die Generation der vor 1930 Geborenen hat im Krieg viel Leid erlitten und 1945 die gesamten Ersparnisse verloren. Außerdem mussten die heute Über-70-Jährigen den Staat und seine Infrastruktur nahezu komplett neu aufbauen – dabei verfügten sie über halb so viele Urlaubstage wie heutige Arbeiter und über weitaus bescheidenere Sozialleistungen. Trotz Krieg und Entbehrungen haben die Greise von heute genügend Kinder großgezogen. Und obwohl sie oft 45 Jahre lang in die Rentenversicherung eingezahlt haben, beziehen sie keine allzu üppige Altersrente.

Die Jungsenioren: Sie sind die Gewinner der umlagefinanzierten Rente. Wer zwischen 1930 und 1945 geboren wurde, litt zwar auch unter den Folgen des Krieges. Er musste aber nicht die Hauptlast des Wiederaufbaus tragen. Als junge Menschen profitierten die heutigen Neu-Rentner bei der Arbeitssuche vom beginnenden Wirtschaftswunder. Zwar sorgten sie für ein beständig kletterndes Bruttoinlandsprodukt, doch zugleich lebte diese Generation über ihre Verhältnisse: Sie genehmigte sich steigende Renten und immer kürzere Wochenarbeitszeiten. Die Idealisten träumten Ende der 80er Jahre sogar von der 30-Stunden-Woche. Und vom frühen Eintritt in die Rente sowieso: Obwohl das Rentenalter laut Gesetz erst ab 65 beginnt, setzt sich der Durchschnitt heute faktisch mit 60 Jahren zur Ruhe. Gleichzeitig vernachlässigte die Generation den Nachwuchs: Mit dem Pillenknick begannen die Probleme des Sozialstaates erst. Allerdings haben sie auch etwas auf der Haben-Seite: Die Älteren lindern die Probleme der Jungen, indem sie ihnen ihre gesparten Vermögen vererben.

Die Jungen: Trotzdem ist ihre Lage nicht rosig – sie gehören zu den Verlierern der demografischen Entwicklung. Und zwar umso stärker, je später sie geboren wurden. Wer nach 1970 auf die Welt kam, muss froh sein, wenn er eines Tages so viel aus der Rentenkasse herausbekommt, wie er eingezahlt hat – die Rendite liegt also bestenfalls bei Null. Spätere Jahrgänge werden für einen eingezahlten Euro allenfalls 80 Cent als Rentenzahlung bekommen. Die Jungen trifft die Rentenmisere mehrfach: Sie müssen hohe Sozialbeiträge zahlen und zugleich für ihr eigenes Alter vorsorgen. So bedeutet allein das jüngste Renten-Notpaket der Regierung eine Mehrbelastung von bis zu 810 Euro im Jahr. Später müssen sie auch noch ein schwächeres Wirtschaftswachstum in Kauf nehmen: Schrumpft die Bevölkerung, schrumpft auch die Wirtschaft. Geld, mit dem der Staat helfen könnte, ist keines da, denn das meiste fließt in den Schuldendienst. Gelernt hat die junge Generation von ihren Eltern trotzdem nicht – jede Frau bekommt statistisch gesehen nur 1,3 Kinder. brö

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