Wirtschaft : Gerry Weber will auch Männer einkleiden

Herren-Kollektion des zweitgrößten Damenmodeherstellers ist für Herbst 2006 geplant/Bald auch Schuhe und Wäsche im Angebot

Christoph Schlautmann (HB)

Düsseldorf - Deutschlands zweitgrößter Damenschneider, die börsennotierte Gerry Weber International AG im westfälischen Halle, will künftig auch Männer einkleiden. „Unser Ziel ist es, den hohen Bekanntheitsgrad der Marke Gerry Weber auch auf die Männermode zu übertragen“, sagte Vorstandschef Gerhard Weber am Mittwoch bei der Vorlage der Jahresergebnisse. Der Startschuss für die Kollektion, die Männer ab 30 ansprechen soll, werde zum Herbst 2006 fallen.

Produziert werden soll die Kollektion in Lizenz vom Textilhersteller Leithäuser. „Wir selbst haben nicht genügend Know-how in Sachen Herrenmode“, sagte Konzernchef Weber. Einen Fehlstart wie bei der Hugo Boss AG, deren neue Damenkollektion zunächst floppte, wolle man sich nicht erlauben. Stattdessen geht Weber auf Nummer sicher: Der Lizenzpartner Leithäuser ist nicht nur mit der eigenen Marke Benvenuto in der Herrenmode etabliert, das Textilunternehmen im westfälischen Hamm produziert zudem in Lizenz für den renommierten Herrenschneider Toni Gard.

Die Geschäftsausweitung des nach Escada zweitgrößten deutschen Damenmodeherstellers ist eng verbunden mit der Neueröffnung eigener Shops. Aus den bislang 70 „Houses of Gerry Weber“ sollen in den kommenden drei bis vier Jahren bis zu 400 werden – mehr als die Hälfte davon als Franchise-Filialen. Weil es aber in vielen Toplagen vergleichsweise günstiger sei, zweigeschossige Geschäfte zu mieten als nur eine Etage, biete sich eine zusätzliche Herrenkollektion an, erläuterte Weber.

Verkauft werden in den Gerry-Weber- Shops künftig auch Schuhe, die ein taiwanesischer Lizenznehmer fertigt. Zudem soll auch Wäsche hinzukommen. „In einigen Jahren werden die Lizenzeinnahmen 100 Millionen Euro betragen“, versprach Weber.

Im trüben Textilmarkt hat sich der westfälische Damenmodehersteller 2004 erstaunlich gut geschlagen. Während die deutschen Hersteller im Schnitt 2,2 Prozent an Umsatz verloren, legte Gerry Weber 0,6 Prozent zu – und das, obwohl die beiden Kollektionen „Court One“ und „Yomanis“ eingestellt wurden. Für 2005 verspricht der Konzernchef dank eines guten Vorordergeschäfts ein Wachstum um zehn Prozent auf 390 Millionen Euro. Wie auch bei den Wettbewerbern Boss und Escada verbesserte sich 2004 zudem das Betriebsergebnis (Ebit), das von 24,8 Millionen auf 29,7 Millionen Euro stieg.

Das Potenzial der Aktie, die in den letzten sechs Monaten um über 50 Prozent zulegte, halten manche Analysten aber inzwischen für ausgereizt. „Eine wirkliche Wachstumsstory sehen wir nicht mehr“, sagt Matthias Engelmayer von Independent Research. Zwar sei die Ausweitung des Einzelhandelsgeschäft positiv zu bewerten, Gerry Weber sei mit einem Anteil von mehr als 60 Prozent aber zu stark an den schwierigen deutschen Markt gebunden.

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