Wirtschaft : Geschäftsführer Keller macht Hoffnung auf Kaufinteressenten

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Das internationale Modehaus Mondi Textil GmbH, München, kämpft um sein Überleben. Nach einem bereits in der vorigen Woche gestellten Konkursantrag wegen Überschuldung und drohender Zahlungsunfähigkeit sei man derzeit fieberhaft auf der Suche nach neuen Investoren, um Unternehmen und Arbeitsplätze doch noch zu retten, sagte Geschäftsführer Alexander Keller bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz in München. Es gebe mehrere Interessenten aus dem In- und Ausland, mit denen schon konkrete Verhandlungen geführt würden. Das gebe zu Optimismus Anlass, sagte Keller ohne Namen zu nennen.

Angesichts der hohen Markenbekanntheit von Mondi sei es naheliegend, dass auch Investoren aus der Modebranche großes Interesse zeigten. Bis Ende des Monats werde wohl eine Entscheidung fallen. Insolvenzverwalterin und Rechtsanwältin Barbara Beutler bezeichnete eine Abwendung des Konkurses als vorstellbar. "Die entscheidenden Weichen werden voraussichtlich in zwei Wochen gestellt", erklärte sie am Freitag. Die Banken hätten die Verhandlungen erst ermöglicht. Auch ein Teilverkauf der Modefirma erscheine möglich. Allerdings stehe man unter "ungeheuerem Zeitdruck". Trotz der aktuellen Probleme sei das Unternehmen "intern gut".

Die Verschuldung des Modehauses bezifferte Keller auf 64,5 Mill. DM. Davon seien 54 Mill. DM Bankschulden. Konkrete Angaben zu den aktuellen Verlusten machte der Manager nicht. Um wieder Gewinne zu schreiben, benötige Mondi rechnerisch einen Umsatz von rund 200 Mill. DM. Derzeit würde die Kollektion Herbst/Winter 1999 ausgeliefert. Der Ordereingang für die Saison Frühjahr/Sommer 2000 entwickle sich positiv.

Weltweit setzte die Gruppe nach Angaben einer Sprecherin im Geschäftsjahr 1998/99 (zum 30. April) mit global 750 Mitarbeitern wie in der Periode zuvor 160 Mill. DM um. Anfang der 90er Jahre brachte es Mondi dagegen noch auf Erlöse von 460 Mill. DM mit rund 2000 Beschäftigten. Vom Konkursantrag betroffen seien nur die 320 Mitarbeiter an den heimischen Standorten München und Aichach.

Um den Erhalt dieser Arbeitsplätze sei man bemüht, sagte Beutler lediglich auf Fragen nach einem Stellenabbau. Vorerst werde weiterhin produziert. Mitarbeitervertreter zeigten sich vom drohenden Konkurs "geschockt". Der Niedergang von Mondi sei vor allem marktbedingt, sagte Keller. Probleme habe die gesamte Branche vor allem im Mondi-Hauptmarkt USA, wo die Hälfte aller eigenen Umsätze erzielt würden. Auch sei der Versuch eines Neustarts der Marke mit neuem Designteam und teils erneuertem Management vor zwei Jahren gescheitert. "Die Strategie hat nicht zum Erfolg geführt," räumte Keller ein. Seit dem Ausstieg von Herwig Zahm, der Mondi 1967 in München gegründete hatte, habe der Hersteller hochwertiger Damenmode keinen Gewinn mehr erwirtschaftet, hieß es am Rande der Pressekonferenz.

Der Gründer hat Mondi seit 1992 an die arabische Investorengruppe Investcorp und andere internationale Anleger verkauft. Investcorp werde das defizitäre Modehaus nicht mehr stützen, stellte Beutler klar. Dem Vernehmen nach haben die Araber seit ihrer Übernahme rund 200 Mill. DM in Mondi investiert. Die Mondi-Gruppe vertreibt ihre Kollektionen derzeit über 113 eigene Filialen, Fachgeschäfte und Warenhäuser in 62 Ländern rund um den Globus.

Dabei agiert sie im sogenannten "Bridge-Segment", also in einer gehobenen Preiskategorie zwischen Designer- und Massenware. Die Hausbanken der Münchner sind die Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG, München, und die Deutsche Bank AG, Frankfurt.

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