Gesundheit : Waschen, kochen, schälen

Mit Bedacht und Vorbereitung schaffen Urlauber gute Voraussetzungen, um auf Reisen gesund bleiben.

Adelheid Müller-Lissner
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Auf dem Weg in den Urlaub. Unabhängig vom Reiseziel sollten Urlauber immer eine kleine Auswahl von Medikamenten einpacken....

Je ferner und exotischer das Reiseziel, desto größer sind meist die Erwartungen, Neues und Unvergessliches zu erleben. Leider steigt auch das Risiko, leidvolle Erfahrungen mit Krankheiten und Unfällen jeder Art zu sammeln.

In einer Erhebung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab jeder zweite Fernreisende an, im Verlauf seiner Fahrt „irgendein Gesundheitsproblem“ gehabt zu haben. Zwar musste diesen Daten zufolge nur jeder 250ste im Ausland ins Krankenhaus, und nur einer von 1700 Fernreisenden wurde auf dem Luftweg in die Heimat zurückgeholt. Dramatische Ereignisse sind also nach wie vor selten – auch wenn sich zunehmend ältere Menschen abenteuerliche und sportliche ambitionierte Auslandsaufenthalte zutrauen. Trotzdem empfehlen das Centrum für Reisemedizin (CRM) und das Auswärtige Amt, vor Fernreisen den Versicherungsschutz zu überprüfen. Eine zusätzliche private Auslandskrankenversicherung sollte auch den Rücktransport im Notfall einschließen – wenn er aus medizinischer Sicht sinnvoll ist.

Eine weitere gute Versicherung schließt jeder ab, der die geplante Reise zum Anlass nimmt, um den Impfschutz zu überprüfen und aufzufrischen. Die häufigste gesundheitliche Einschränkung bei Fernreisen besteht nach wie vor im meist recht banalen Durchfall. „Montezumas Rache“, die Reise-Diarrhöe, war denn auch eines der Themen bei der diesjährigen reisemedizinischen Fortbildung während des 10. Forums Reisen und Gesundheit im Rahmen der ITB in Berlin. „Das Risiko steigt mit der Größe der Unterschiede im Hygienestandard zwischen Heimat und Reiseland“, sagte dort der Magen-Darm-Spezialist Thomas Weinke vom Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam. Allerdings sei es auch vom Reisestil abhängig: Als Rucksacktourist hat man es eben schwerer, sich streng an die eingängige Diätregel: „Koch es, schäl es – oder vergiss es“ zu halten. Speiseeis oder ein Salat, der in einer Garküche in Kontakt mit rohem Fleisch gekommen ist, können die auslösenden Bakterien enthalten. Dann ist es nützlich, Medikamente mit dem Wirkstoff Loperamid in der Reiseapotheke zu haben, der die Darmbewegungen hemmt. In manchen Fällen ist es sinnvoll, ein besonders gegen Darminfektionen wirkendes, vom, Hausarzt verschriebenes Antibiotikum als „Stand-by“-Medikament mitzunehmen. Kommen Fieber und Schmerzen dazu oder dauert der Durchfall länger und ist blutig, dann sollte man möglichst vor Ort zum Arzt gehen. Meist reicht es jedoch, viel zu trinken und eventuell auch mit einer Elektrolytlösung den Salzverlust auszugleichen. Es ist längst eine Binsenweisheit, dass man bei Hitze viel trinken sollte. Während zuhause auf das Durstgefühl meist Verlass ist, kann es unter ungewohnten klimatischen Bedingungen aber versagen. „Vor allem bei feucht-heißem Klima droht dann eine Dehydratation“, sagt Physiologieprofessor Hanns-Christian Gunga von der Berliner Charité. Zur Sicherheit empfiehlt sich ein Blick auf den eigenen Urin, der immer hell und klar sein sollte.

Eine Plage, die auch Urlauber kennen, die sich für nördliche Reiseziele entschieden haben, sind die Mücken, die Sommerurlauber in Schweden, aber auch schon im heimischen Brandenburg belästigen. An anderen Reisezielen sind sie nicht nur lästig, sondern haben die Fähigkeit, gefährliche Viren zu übertragen. Während sich Reisende vor Gelbfieber und Japanischer Enzephalitis durch Impfungen schützen können, ist der effektive Schutz vor Mückenstichen die einzige Möglichkeit, Krankheiten wie Dengue-Fieber, Chikungunya und West-Nil-Fieber zu verhindern. Dengue-Fieber ist die zahlenmäßig bedeutendste unter den Virusinfektionen, die von Stechmücken übertragen werden. Immer häufiger wird es heute auch in Ländern Mitteleuropas bei Tropenheimkehrern diagnostiziert. Schützende, dicht gewebte, möglicherweise zum Schutz vor dem Durchstechen sogar mit Permethrin imprägnierte Kleidung mit langen Ärmeln und Beinen, Mittel zum Einreiben mit dem Wirkstoff Diethyl-m-Toluamid (DEET), und ein nächtliches Moskitonetz sind die wichtigsten drei Schutzmaßnahmen.

Wer von Schutz im Urlaub spricht, darf die Sonne nicht auslassen. Selbst wenn man gewissenhaft Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor aufgetragen und den Kopf mit einem Strohhut geschützt hat, sollte man sie nicht ausgerechnet in der Mittagshitze suchen. Erste Hilfe beim Sonnenbrand leisten kühlende Umschläge und Cremes. Doch eines ist sicher: Wenn die Haut nicht brennt, schmeckt am Ende eines Urlaubstages der Aperitif auf der von der Abendsonne beschienenen Piazza köstlicher.

Adelheid Müller-Lissner

Weitere Informationen unter:

www.crm.de

www.dvka.de

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