Gesundheitsmanagement im Betrieb : Investitionen in Mitarbeiter zahlen sich aus

Immer mehr Unternehmen investieren in die Gesundheit der Mitarbeiter. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können davon gleichermaßen profitieren.

Lisa Kolde
Vorsorge. Mitarbeiter des Versandhandels "Otto" halten sich in der Mittagspause fit.
Vorsorge. Mitarbeiter des Versandhandels "Otto" halten sich in der Mittagspause fit.Foto: dpa

Von den 18 Teilnehmern sind 17 immer noch Nichtraucher. Vier Jahre ist es her, dass der Berliner Süßwaren- Hersteller Moll Marzipan seinen Mitarbeitern einen Rauchfreikurs finanzierte. An den vier Sitzungen nahm die Hälfte der rauchenden Belegschaft teil. Für Geschäftsführer Armin Seitz ist das ein Musterbeispiel für betriebliches Gesundheitsmanagement: Auf der einen Seite profitieren die Angestellten – mit mehr Lebensqualität und einem gesünderen Lebensstil. Und auf der anderen Seite ist es gut für das Unternehmen. „Es war auch umständlich für sie, immer wieder in Straßenkleidung zu wechseln und zum Rauchen nach draußen zu gehen“, sagt Seitz. Und – das sagt er nicht – das Wechseln der Klamotten kostet Arbeitszeit und die Firma damit bares Geld.

2012 gaben die Arbeitgeber 854 Millionen Euro für Gesundheitsförderung aus

Maßgeschneidertes Gesundheitsmanagement zahlt sich also aus. Also investiert nicht nur dieser Berliner Mittelständler. 854 Millionen Euro gaben die Arbeitgeber 2012 für Gesundheitsförderung aus. Zum Vergleich: 2007 waren es noch 100 Millionen weniger. Die Gründe für das steigende Interesse an der Mitarbeitergesundheit sieht Jonas Weber vom Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement in der alternden Gesellschaft und veränderten Arbeitsbedingungen. „Die Anforderungen im Beruf steigen immer weiter“, sagt Weber. Um das zu kompensieren, bezahlen viele Betriebe ihren Mitarbeitern mittlerweile Rückenkurse und andere Sportangebote und veranstalten Gesundheitstage und Anti-Stress-Seminare. Längst hat sich ein ganze Branche rund um die Gesundheit am Arbeitsplatz entwickelt. Industrie- und Handelskammern und zahlreiche andere Stellen bieten Kurse und Seminare zum Gesundheitsmanagement an. „Es besteht ein hoher Bedarf an Fachkräften“, sagt Weber.

Im vergangenen Jahr waren die Arbeitnehmer im Schnitt 14 Tage krankgeschrieben

14 Tage im Schnitt hat jeder Arbeitnehmer laut Report der Krankenkasse DAK im vergangenen Jahr wegen Krankheit gefehlt. Auslöser sind immer häufiger psycho-mentale Belastungen. Mittlerweile entfällt jeder sechste Krankheitstag auf psychische Erkrankungen. Und auch wenn sich die Beschäftigten nicht krank melden, sind sie zwar körperlich anwesend – aber nur begrenzt leistungsfähig. Fachleute wie Arndt Kempen sprechen bei diesem Phänomen von Präsentismus. Kempen leitet das in Berlin ansässige Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen IAS, das unter anderem die Deutsche Bahn und den Tüv Süd in Fragen der Mitarbeitergesundheit betreut. Er ist überzeugt, dass die Gesundheit nicht der einzige Punkt ist, der Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten hat. In einer Analyse klopft IAS seine Auftraggeber auf acht verschiedene Faktoren ab, darunter auch die Organisation, die Unternehmenskultur, die Bezahlung. „Unter anderem schauen wir uns an, wie gut die interne Kommunikation funktioniert und ob das Unternehmen seinen Mitarbeitern die richtigen Vergütungsanreize setzt“, sagt Kempen. Lange hätten die Unternehmen erst dann Unterstützung gesucht, wenn ein konkretes Problem vorlag, sagt Kempen. „Inzwischen wird verstärkt auf Prävention gesetzt.“ IAS zählt mehr als 10 000 Kunden, über zwei Drittel davon sind Mittelständler. Auch für kleinere Unternehmen sei die Vorsorge wichtiger geworden, sagt der Branchenkenner Jonas Weber. „Schließlich fällt es dort noch stärker ins Gewicht, wenn ein Mitarbeiter fehlt.“

Teure Standardlösungen funktionieren nicht immer

In größeren Betrieben geht es laut Kempen zunehmend um individuell abgestimmte Programme. Die müssten auch nicht zwingend kostspielig sein. „Vereinzelte Maßnahmen werden häufig wieder fallen gelassen, wenn gerade kein Geld da ist“, stellt er fest. Auch Moll Marzipan in Berlin hat die Erfahrung gemacht, dass teure Standardlösungen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement nicht immer funktionieren. Zwar hätten die Mitarbeiter begeistert auf den Nichtraucherkurs reagiert, erinnert sich Geschäftsführer Seitz. Aber als der Betrieb ankündigte, einen Großteil der Kosten für einen Fitnesskurs zu übernehmen, zeigte kaum einer Interesse. „Wir haben das Angebot schnell wieder eingestampft.“

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