Gesundheitsreform : „Die Privatisierung von Kliniken ist sozial“

Michael Philippi, Chef des Privatklinikkonzerns Sana, über die Pläne der Regierung zur Gesundheitsreform. Der Sana-Konzern möchte in Schönefeld behandeln.

Foto: promo
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Herr Philippi, welche Vorschläge für eine Gesundheitsreform erwarten Sie von der am Wochenende anstehenden Klausur der Regierungsfraktionen?

Ich erwarte keine strategischen Entscheidungen zur Zukunft des Gesundheitswesens. So wie es derzeit aussieht, ist zum Beispiel die Kopfpauschale, die die Krankenkassen auf eine andere Finanzierungsgrundlage gestellt hätten, erst mal vom Tisch. Auf der Klausurtagung werden wohl wieder einmal nur Vorschläge zusammengetragen, wie und wo man kurz- und mittelfristig Geld einsparen kann.

Diskutiert wird, ob man bei den Krankenhäusern, die mit jährlich 56 Milliarden Euro der größte Ausgabenblock für die Kassen sind, eine Nullrunde bei den Budgets verordnen sollte. Was halten Sie davon?

Eine Nullrunde würde für die Kliniken real eine Budgetkürzung bedeuten. Denn die Ausgaben – etwa durch die jetzt ausgehandelten höheren Tarifabschlüsse für Ärzte – steigen weiter. Darüber hinaus ist es befremdlich, wenn die Politik einerseits kürzlich den Krankenhäusern einen Aufschlag für neue Pflegekräfte gewährte, die sie durch die Nullrunde quasi wieder einzieht. Andererseits kann man angesichts des Kostendrucks nicht eine Branche von Einsparungen ausnehmen, auch nicht die Krankenhäuser.

Das klingt, als könnten Sie mit einer Nullrunde leben.

Wir werden diese zusätzlichen Belastungen auch kompensieren müssen, so wie wir es schon öfter tun mussten, etwa in dem wir die Einkaufspreise für den medizinischen Bedarf neu verhandeln. Als großer Klinikverbund mit derzeit 40 Kliniken in Deutschland fällt uns das durch unsere größere Marktmacht leichter, als zum Beispiel kleineren kommunalen Unternehmen. Für diese Kliniken verschärft eine Nullrunde natürlich den Sparzwang – und damit eventuell auch die Bereitschaft von Kreisen oder Städten, ihre kommunalen Häuser zu privatisieren.

Das heißt, eine Nullrunde wäre ein Gewinn für die großen privaten Krankenhausunternehmen, weil sie dadurch leichter neue Häuser erwerben können.

Eine Privatisierung ist ja nichts Verwerfliches. Im Gegenteil, wenn sie die kommunalen Haushalte davon entlastet, Defizite in den Kliniken ausgleichen zu müssen, ist das ein sozialer Schritt und macht Geld für andere wichtige Aufgaben frei, ohne die medizinische Versorgung zu gefährden.

Sana wird also weiter zukaufen?

Ja, wir streben beim Umsatz des Unternehmens ein moderates Wachstum von jährlich 200 bis 250 Millionen Euro an. Dabei sind wir im Gegensatz zu Geschäftsmodellen anderer Privatkliniken bereit, auch Minderheitsbeteiligungen zu akzeptieren, wenn uns die operative Leitung des Hauses zugesichert wird.

Erwarten Sie eine Privatisierungswelle?

Nein, eher ein stetiges Anwachsen des privaten Anteils am deutschen Klinikmarkt, auch wenn derzeit der Druck steigt. In den 70er Jahren wurden viele Krankenhäuser gebaut, die 30, 40 Jahre später oft einen immensen Investitionsbedarf haben. Und wenn der Kreis dafür kein Geld hat, sind private Partner willkommen.

Welche Krankenhäuser in öffentlicher Hand sind Privatisierungskandidaten?

Zum einen die kleinen Krankenhäuser unter 250 Betten auf dem flachen Land. Diese müssen die Erwartungen der Patienten an eine auf der Höhe der Zeit befindlichen Krankenversorgung erfüllen, was enorme Ausgaben erfordert, ohne den dafür nötigen Umsatz erwirtschaften zu können. Und zum anderen geraten oft die großen Kliniken mit mehr als 1000 Betten in Schwierigkeiten, die vielfach einen großen Investitionsstau vor sich herschieben. Die Charité in Berlin mit ihrem Sanierungsbedarf von weit mehr als 500 Millionen Euro ist so ein Beispiel.

Sana hat in Berlin-Brandenburg sieben Kliniken. Sind weitere Übernahmen geplant?

Nicht solche, bei denen schon eine Entscheidungsreife erreicht wäre. Trotzdem möchten wir uns gern mehr in der Region engagieren, zum Beispiel bei der medizinische Versorgung am neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld. Wir haben 2009 mit den Betreibern des Münchner Flughafens einen entsprechenden Kooperationsvertrag geschlossen und haben damit Erfahrungen gesammelt. So etwas wäre für uns auch in Schönefeld sehr interessant.

Michael Philippi ist Vorstandsvorsitzender der Sana-Kliniken AG, mit 19 000 Mitarbeitern einer der größten privaten Klinikkonzerne in Deutschland. Mit dem Manager sprach Ingo Bach.

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