Getränkebranche : Biertreue der Deutschen nimmt ab

Die Treue der deutschen Biertrinker zu einer bestimmten Marke nimmt angesichts deutlicher Preisunterschiede und neuer Getränkevarianten spürbar ab.

Düsseldorf - Im leicht schrumpfenden deutschen Biermarkt gab es 2005 erneut erhebliche Mengenwanderungen. Neben Marktführer Oetker verzeichneten auch andere Braugruppen deutliche Absatzrückgange. Die Nummer 4, die Bitburger Getränkegruppe, setzte inklusive der Mineralwassertochter Gerolsteiner 3,3 Prozent weniger ab, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Die Haus Cramer Gruppe um Warsteiner steigerte ihren Gesamtausstoß 2005 zwar, die Stammmarke Warsteiner verlor im Inland aber fast 10 Prozent, hieß es am Freitag.

Als großen Gewinner 2005 sehen Branchenkenner die Bremer Brauerei Beck, die als Innovationsführer gilt. Mit einem mild gehopften Bier in einer Weißglasflasche löste sie einen «Gold-Rausch» in der Branche aus. Zahlreiche Brauereien setzten ebenfalls auf den Trend. Die Marke Beck's bleibt damit ein zugkräftiger Absatzmotor des zweitgrößten Bieranbieters in Deutschland, des belgisch-brasilianischen Konzerns InBev. Nach der Oetker-Biersparte, die je eine Brauerei in Dortmund und Berlin schloss, stellte auch InBev Strukturen auf den Prüfstand. Der weltgrößte Brauer will sich von Wolters in Braunschweig trennen. Damit steht die Schließung oder ein Verkauf dieser Brauerei im Raum.

Die drittgrößte Braugruppe in Deutschland, die Brau Holding International, kauft weiter mittelständische Brauereien auf. Über die badischen Brauhäuser Fürstenberg und Hoepfner übernimmt sie die in Finanznot geratene Privatbrauerei Schmucker (Mossautal). Das gaben Schmucker und die Schörghuber-Gruppe am Freitag bekannt und bestätigten damit einen Bericht des «Darmstädter Echo». An der Brau Holding International ist auch der holländische Bierkonzern Heineken beteiligt. Zu den Zugpferden der Gruppe gehört die Marke Paulaner.

Trend zu Biermischgetränken und Mildbier

Der Marktführer Oetker hatte im ersten Halbjahr 2005 deutlich weniger Bier verkauft. Der Inlandsgesamtabsatz der Oetker-Tochter RB Brauholding sank um 7 Prozent gesunken. Als Hauptgründe wurden ein tief greifenden Unternehmensumbau mit der Integration von Brau und Brunnen sowie den Verzicht auf die Lieferung von No-Name-Bier für Handelskonzerne genannt. Zahlen zum Gesamtjahr gebe es noch nicht. Die Flaggschiffmarken dieser Gruppe sind Radeberger und Jever.

Die Warsteiner Brauerei hat 2005 erneut weniger Bier ihrer Stamm-Marke in Deutschland verkauft. Der Inlandsausstoß von Warsteiner nahm um 9,4 Prozent auf 2,8 Millionen Hektoliter ab, berichtete der Generalbevollmächtigte der Brauerei, Gustavo Möller-Hergt am Freitag in Warstein. Die gesamte Gruppe habe mit 5,9 Millionen Hektolitern sechs Prozent mehr Bier verkauft. «Unser Umsatz stieg um acht Prozent auf 510 Millionen Euro», sagte Möller-Hergt. Die Gewinne der Gruppe seien ähnlich groß wie 2004 und sollen reinvestiert werden. Zur Haus Cramer Gruppe gehören die Paderborner Brauerei, der Altbierspezialist Frankenheim (60 Prozent) sowie Brauereien in Argentinien und Afrika.

Die Bitburger Getränkegruppe will mit neuen Produkten gegen ihren rückläufigen Absatz kämpfen. «In diesem Jahr wollen wir uns als Gruppe durch erhebliche Investitionen in die Marken, durch eine Reihe neuer Produkte und durch die konsequente Nutzung von Synergien dem Branchentrend entgegenstellen», sagte Peter Rikowski, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb. Angesichts der Erfolge bei Biermischgetränken und Mildbieren seien Getränke-Innovationen «unverzichtbarer Teil einer erfolgreichen Wachstumsstrategie geworden». Zu der Gruppe gehört die König-Brauerei in Duisburg, deren Absatz ebenfalls sank. (tso/dpa)

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