Wirtschaft : Gewerkschaft will "mit allen Konsequenzen" um das Weihnachtsgeld streiten

Mit einer Kampfansage an die Arbeitgeber hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) am Donnerstag in Karlsruhe ihren 4. außerordentlichen Gewerkschaftstag eröffnet. Um die Bezahlung der Bauarbeiter zu Weihnachten und Neujahr werde die Gewerkschaft "mit aller Konsequenz kämpfen" - notfalls auch mit Streik, sagte ihr Vorsitzender Klaus Wiesehügel. Angesichts der Krise in der Bauwirtschaft und rückläufigen Mitgliederzahlen will die Gewerkschaft ihre Struktur komplett umbauen. Ferner appellierte Wiesehügel an die Bundesregierung, nicht zu Lasten unterer Einkommen zu sparen.

Der Geschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Harald Schröer, begründete die angestrebten Neuverhandlungen mit dem Ziel, eine unbürokratischere Ausgleichsweise zu erreichen.

Nachdem die Arbeitgeber Ende Juni den 40 Jahre alten Lohnausgleichstarifvertrag zum Jahresende gekündigt hatten, in dem der Lohnausgleich zwischen Weihnachten und Neujahr geregelt ist, hatte die IG Bau ihre Tarifkommission kurz vor Beginn des Gewerkschaftstages zusammen gerufen. Wiesehügel forderte die Arbeitgeber auf, die Kündigung zurückzunehmen.

Die IG Bau warf den Arbeitgebern "Ideologie" vor. Im Schnitt gehe es bei dem strittigen Lohnausgleichstarifvertrag nur um 500 DM. Dafür sollten Bauarbeitnehmer an Weihnachten mit einer Kündigung unter dem Tannenbaum sitzen. Bis jetzt werden der 24., 25., 26., 31. Dezember sowie der 1. Januar über eine Umlage aller Bauunternehmer in Deutschland finanziert. Ohne den Tarifvertrag müssten die einzelnen Unternehmen die Feiertagsfortzahlung für den 25. und 26. Dezember sowie für den 1. Januar tragen. Damit wachse der Anreiz, Arbeiter kurz davor zu entlassen oder die Beschäftigungsverhältnisse entsprechend zu befristen. Betroffen seien rund 900 000 Beschäftigte.

Wiesehügel und auch DGB-Chef Dieter Schulte riefen die rot-grüne Bundesregierung auf, die Lasten der Haushaltskonsolidierung nicht einseitig den unteren Einkommen aufzubürden. "Auch finanziell starke Schultern müssen in die Verantwortung genommen werden", sagte Schulte zur Eröffnung des Kongresses in Karlsruhe. Er plädierte für eine private Vermögensteuer. Zwar habe mit der neuen Bundesregierung der Wechsel zu einer sozial gerechteren Politik im Ansatz begonnen. Er warnte aber davor, das Vermächtnis der Gewerkschaften aufs Spiel zu setzen. "Das damals Erarbeitete und Erkämpfte kann und darf heute nicht irgend welchen modischen Meinungen und Strömungen geopfert werden."

Die IG BAU befindet sich nach Angaben ihres Vorsitzenden in einer "schwierigen Situation". Sie soll flexibler und schneller auf neue Entwicklungen reagieren können. Deshalb soll die zweite Gewerkschafts-Ebene der zwölf Landesvorsitzenden abgeschafft werden. Die IG Bau feierte am Donnerstag zugleich die 50. Wiederkehr des Vereinigungsverbandstages der Baugewerkschaften in den drei Westzonen. Der Kongress sollte am Freitagabend enden.

Die IG BAU zählt derzeit rund 600 000 Mitglieder. Doch Monat für Monat verliert sie an die 3 000 Mitglieder. Weitaus bedrohlicher als dieser Schwund ist allerdings die Altersstruktur: Mehr als 40 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder sind 50 Jahre und älter.

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