Gewerkschaften : DGB verliert Chefökonom an Verdi

DGB-Chef Michael Sommer laufen die Leute weg. Mit Dierk Hirschel verlässt bereits die zweite Spitzenkraft den Dachverband.

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Dierk Hirschel. -dpa

Berlin - DGB-Chef Michael Sommer laufen die Leute weg. Nach Hans-Joachim Schabedoth, dem Leiter des Vorstandsbereichs Gesellschaftspolitik/Grundsatzfragen, will nun auch Chefökonom Dierk Hirschel die DGB-Zentrale am Hackeschen Markt in Berlin-Mitte verlassen. Schabedoth sitzt bereits in der IG-Metall-Zentrale in Frankfurt am Main , wo er für Gewerkschaftschef Berthold Huber arbeitet. Hierschel soll als Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi deren Vorsitzendem Frank Bsirske zuarbeiten. Bsirske sucht einen Nachfolger für Michael Schlecht, der für die Linke in den Bundestag gewählt wurde und dort als Chefökonom der Linksfraktion fungiert.

Die betroffenen Organisationen und Personen wollten sich am Mittwoch nicht zu dem Wechsel äußern. Hirschel sagte auf Anfrage: „Ich äußere mich nicht zu persönlichen Fragen.“ In der DGB- Pressestelle hieß es: „Wir können Ihnen bestätigen, dass Dr. Dierk Hirschel Chefökonom des DGB ist. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“ Das sehen andere anders. Auch Hirschel sei es „seit längerem leid gewesen“, ist im DGB-Umfeld zu hören. Struktur, Arbeit und Spitzenpersonal des DGB sind umstritten; eine von den acht Einzelgewerkschaften, die den DGB finanzieren, geforderte Reform blieb hinter den Erwartungen zurück.

Dass Bsirske nun einen der profiliertesten Mitarbeiter in der DGB-Zentrale abwirbt, gilt in Gewerkschaftskreisen als weiterer Beleg für die Geringschätzung des Dachverbandes in den großen Gewerkschaften IG Metall, Verdi und IG Bergbau, Chemie, Energie. Mitte Mai steht der alle vier Jahre stattfindende DGB-Kongress an, unter anderem mit der Wahl des Vorstands. Der Vorsitzende Michael Sommer will sich dann zur Wiederwahl stellen, worüber nicht alle im DGB glücklich sind. Am heutigen Donnerstag will Sommer im Rahmen einer Jahresauftakt-Pressekonferenz sein Programm für 2010 vorstellen.

Bei Verdi gilt Hirschel als gute Lösung. Er ist ideologisch nicht so festgelegt wie sein Vorgänger Schlecht, der schon seit langem „den Parteisoldat für die Linken spielt“, wie ein Gewerkschafter sagt. Hirschel selbst verbessert sich mit dem Arbeitsplatzwechsel grob gesagt um ein Drittel: Beim DGB umfasste seine Abteilung drei politische Sekretäre, bei Verdi sind es vier. alf

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