Wirtschaft : Gewerkschaften verlieren Mitglieder Vier Millionen weniger seit 1991

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(sök). Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat zwischen 1991 und 2002 insgesamt 4,1 Millionen seiner Mitglieder verloren. Im Durchschnitt entspricht dies einer Abgängerzahl von 30 000 pro Monat. Das gab das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) am Mittwoch bekannt. Insgesamt haben damit nur noch 7,7 Millionen Deutsche einen Mitgliedsausweis einer der acht DGBGewerkschaften.

Prozentual die größten Verluste verzeichneten die Gewerkschaften Bauen-Agrar-Umwelt, Transnet und Nahrung-Genuss-Gaststätten. Dort verließen jeweils mehr als 40 Prozent der Anhänger ihre Interessenvertretung. Bei der IG Metall gaben zwischen 1990 und 2002 gut 82 000 Mitglieder ihren Ausweis zurück. Das IW wirft dem DGB vor, sich an einem klassischen Arbeiter-Ideal zu orientieren und Job-Realitäten wie Teilzeit oder Selbstständigkeit außer Acht zu lassen.

DGB: Keine Überraschung

Für DGB-Sprecherin Marion Knappe waren die Zahlen keine Überraschung: „In unseren jährlichen Bestandsaufnahmen konnten wir schon seit längerem diesen Schwund beobachten.“ Die Gründe seien vielfältig: „Der politische Druck auf die Gewerkschaften ist 2003 größer geworden.“ Außerdem sei Arbeitslosigkeit für viele ein Grund, auszutreten. „Dabei haben wir für solche Fälle geringere Mitgliedsbeiträge eingeführt.“ Den Hauptgrund für die Austritte sieht Knappe jedoch woanders: Viele Menschen seien zwar politisch interessiert, „haben aber schlicht keine Lust, sich großen Organisationen anzuschließen“. Davon seien auch Kirchen und Parteien betroffen. Speziell ostdeutsche Mitglieder seien vom DGB enttäuscht. Sie hätten sich in den Strukturen des damaligen Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes mehr angenommen gefühlt, sagt Knappe.

Im Unterschied zum DGB konnten Spezialverbände wie der Deutsche Journalisten-Verband oder der Deutsche Beamtenbund ihre Mitgliederzahl sogar noch steigern.

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