Wirtschaft : Gewerkschaftsstreit um Beschäftigte

DÜSSELDORF (pt/HB).Am vergangenen Dienstag gab es die erste Kontaktaufnahme zwischen Hartmut Meine von der niedersächsischen IG Metall und dem Geschäftsführer von Adecco Deutschland, Jürgen Uhlemann.Gesprächsthema: Ein Tarifvertrag für die rund 7000 Zeitarbeitnehmer, die Adecco im Auftrag der Expo-GmbH für die Weltausstellung in Hannover im Jahr 2000 zur Verfügung stellen soll.Ein neuer Verhandlungstermin wurde bereits vereinbart.

Während die IG Metall in Hannover sich noch auf die Schulter klopft, weil sie ihren Abscheu vor Tarifverhandlungen mit den jahrelang verteufelten Zeitarbeitsfirmen überwunden hat, reibt man sich bei der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) in Düsseldorf verwundert die Augen.Man sei irritiert, hieß es am Donnerstag beim Hauptvorstand der auf Dienstleistungen spezialisierten DGB-Gewerkschaft, daß die IG Metall im Bereich von HBV und ÖTV Tarifverhandlungen führe.Beide Gewerkschaften sind laut Satzung zuständig für die Dienstleistungssparte.Demgegenüber habe sich die IG Metall bislang nur um Dienstleister gekümmert, die aus von ihnen organisierten Industriefirmen hervorgegangen sind, wie die Daimler-Tochter Debis und Mannesmann-Mobilfunk.

Die IG Metall in Hannover findet dagegen an ihrem Engagement bei der deutschen Tochter des französisch-schweizerischen Branchenriesen Adecco nichts Schlechtes.Immerhin könne sie bei ihren Verhandlungen auf ihre guten Kontakte zur Messe AG zurückgreifen, mit der sie einen Anerkennungstarifvertrag hat.Außerdem habe sie der Landesbezirk des niedersächsischen DGB mit der Federführung beauftragt.Seine Vertreter säßen im übrigen bei den Gesprächen mit am Tisch, meint Sprecher Georgius Arwanitidis.

Bei der HBV sieht man das anders.Von einem förmlichen Auftrag des DGB-Landesbezirksvorstandes könne keine Rede sein, heißt es.Vielmehr habe die HBV vor rund einem Jahr im Vorstand angeregt, das Podium der Weltausstellung zu nutzen, um mit Adecco ins Geschäft zu kommen.Auf einer späteren Sitzung habe dann der IG-Metall-Vertreter im Vorstand den Vorschlag gemacht, der Gewerkschaft die Federführung zu übertragen.Beschlüsse dazu habe es aber nicht gegeben.

"Es ist gelaufen wie es immer läuft mit der IG Metall.Wir wurden vom Informationsfluß ausgeschlossen und am Ende schafft die mächtigste DGB-Gewerkschaft Fakten," meint ein Insider.Einen offenen Protest des HBV-Vorstandes gegen das Vorpreschen der IG Metall bei Adecco hat es bislang allerdings nicht gegeben.Auch bei Mannesmann-Mobilfunk war die Düsseldorfer Gewerkschaft von der IG Metall ausgebootet worden.Hier konnte die Metallgewerkschaft aber wegen Mannesmann ältere Rechte geltend machen.

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