Gewinnbeteiligung : Mitarbeiter wollen mehr Geld von VW

Leistung muss sich wieder lohnen: Der VW-Betriebsrat fordert eine höhere Gewinnbeteiligung seiner Mitarbeiter. Branchenkenner unterstützen die Forderung nach einem Sonderbonus.

Mark C. Schneider
Bernd Osterloh
Bernd Osterloh - Betriebsratsvorsitzende der Volkswagen AG. -Foto: ddp

Düsseldorf Die Belegschaft von Volkswagen will am Rekordgewinn des Autobauers stärker teilhaben. Betriebsratschef Bernd Osterloh verlangt von Konzernchef Martin Winterkorn einen Sonderbonus. „Ich gehe davon aus, dass die Belegschaft nicht nur den im Tarifvertrag vereinbarten Bonus von zehn Prozent des operativen Gewinns der Marke Volkswagen erhält, sondern der Vorstand die Leistung unserer Kolleginnen und Kollegen mit einer zusätzlichen finanziellen Anerkennung würdigt“, sagte Osterloh dem „Handelsblatt“.

Da Winterkorn die Produktivität weiter steigern wolle und dies die gesamte Mannschaft fordere, wäre eine Extraprämie aus Osterlohs Sicht das richtige Signal. „Denn Leistung muss sich lohnen. Und das nicht nur für Aktionäre, sondern auch für die Beschäftigten“, sagte er mit Blick auf Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Der Vertreter des VW- Großaktionärs spricht gern vollmundig über lohnende Leistung. Wiedeking und Osterloh streiten um den Einfluss des VW-Betriebsrats im Aufsichtsrat der neuen Porsche Holding, den der Porsche-Chef begrenzen will. Porsche hält 30,6 Prozent der VW-Stimmrechte.

Ausgelöst hat Osterlohs Begehrlichkeit im Namen der Belegschaft das am Freitag von Konzernchef Winterkorn präsentierte Rekordergebnis für das Jahr 2007 von netto 4,1 Milliarden Euro. Damit überflügelte VW den Konkurrenten Daimler, der nach der Trennung von der US-Tochter Chrysler einen Netto-Gewinn von knapp vier Milliarden Euro erreichte. „Das ist eine hervorragende Leistung der gesamten Belegschaft und des Managements des VW-Konzerns“, sagte Osterloh. „Ein Beleg dafür, dass VW mit Winterkorn den richtigen Mann für einen Mehrmarkenkonzern hat.“

Der sieht sich auf Kurs, den japanischen Branchenprimus Toyota einzuholen. Die erste Etappe seines Wachstumsplans „Mach 18“ hat Winterkorn in seinem Premierenjahr als Konzernchef erfolgreich absolviert. Mit einem Gewinn vor Steuern von 6,5 Milliarden Euro erzielte VW das beste Ergebnis seiner Geschichte und übertraf klar das ursprünglich für 2008 angestrebte Ziel von 5,1 Milliarden Euro. Dieses Jahr soll noch besser ausfallen. Wegen des Rekordgewinns stockt VW auch die Dividende kräftig auf. Wesentlich profitieren wird Großaktionär Porsche. Der Sportwagenbauer kann mit einer Dividendeneinnahme von gut 160 Millionen Euro rechnen.

Branchenexperten stützen Osterlohs Forderung nach einem Sonderbonus für die VW-Belegschaft. „Die Mitarbeiter haben Opfer gebracht“, sagt Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB. „Eine Extrazahlung wäre eine Anerkennung ihrer Leistung und Motivation für die Zukunft.“ Osterloh argumentiert, Grundlage für die guten Zahlen sei der Tarifabschluss 2006, der dem Unternehmen mehrere hundert Millionen Euro an Kosten erspart. Der Betriebsratschef hatte den VW-Werkern die Einschnitte mit einer Beteiligung im Erfolgsfall schmackhaft gemacht. Die Rechnung geht jetzt auf. Tariflich vorgesehen ist ein Bonus von zehn Prozent des operativen Ergebnisses der Marke Volkswagen. Dies gibt das Unternehmen am 13. März bekannt. In Porsche-Kreisen war zu hören, eine höhere Gewinnbeteiligung sei Sache von VW-Vorstand und Betriebsrat. Mit einer Rendite von rund 5,6 Prozent bei 109 Milliarden Euro Umsatz befindet sich Massenhersteller VW auf dem Profitabilitätsniveau des angeschlagenen Premiumbauers BMW.

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