Wirtschaft : Gleicher Lohn für gleiche Reparatur

Kfz-Handwerk in Berlin-Brandenburg und Sachsen will den Tarifkonflikt in dieser Woche beilegen.

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Volle Auftragsbücher. Die deutschen Kfz- Werkstätten haben gut zu tun. Foto: dapd Foto: dapd
Volle Auftragsbücher. Die deutschen Kfz- Werkstätten haben gut zu tun. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Die Beschäftigten in den Kfz- Werkstätten und Autohäusern in Berlin, Brandenburg und Sachsen haben es satt: Während die Kunden über stetig steigende Rechnungen klagen, bieten die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter seit Jahren kaum einen Inflationsausgleich. Das soll sich an diesem Dienstag ändern – zumindest für jene Betriebe, die noch zur „Tarifgemeinschaft Mitteldeutsches Kfz- Handwerk“ gehören. Die seit 16. April dauernden Tarifverhandlungen für die rund 37 000 Beschäftigten und Auszubildenden werden in Berlin fortgesetzt.

Nach zwei Wochen Warnstreiks, an denen sich 1000 Beschäftigte beteiligt haben, soll ein tragfähiger Tarifvertrag abgeschlossen werden. „Die Vorgespräche waren viel versprechend“, sagt Klaus Abel, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Berlin. „Ich denke, wir werden am Dienstag ein Ergebnis haben.“ In anderen Tarifgebieten ist man schon weiter. In Baden- Württemberg, Hessen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen wurden Lohnerhöhungen zwischen 3,8 und vier Prozent ausgehandelt. Nur die mitteldeutschen Arbeitgeber sträuben sich noch: Ihr letztes Angebot lag bei 2,7 Prozent für 13 Monate, was umgerechnet 2,5 Prozent für ein Jahr bedeutet. Die IG Metall fordert 6,5 Prozent für zwölf Monate und bessere Perspektiven für die Auszubildenden nach ihrer Lehre.

Spielraum für steigende Einkommen gibt es durchaus. Das räumen auch die Arbeitgeber ein. Anders als beim Neuwagenverkauf wird mit Autoreparaturen gutes Geld verdient – zumal in Berlin das Pkw-Durchschnittsalter höher ist als im Rest Deutschlands. Nach einem Rekordjahr erwartet knapp die Hälfte der bundesweiten Werkstatt-Betriebe im dritten Quartal eine „gute“ Auslastung, wie der Zentralverband des Kraftfahrzeuggewerbes unlängst mitteilte. Nach Gewerkschaftsangaben müssen Werkstatt-Kunden seit 2007 rund 54 Prozent mehr für die Arbeitsstunde zahlen. Die Löhne seien hingegen (bei einer Teuerungsrate von addierten 8,7 Prozent) im gleichen Zeitraum nur um 8,12 Prozent gestiegen.

„Der Branche geht es gut“, sagt auch Anselm Lotz, stellvertretender Obermeister der Kfz-Innung Berlin. „Davon sollten auch die Arbeitnehmer profitieren.“ Lotz hat gut reden, „nur eine Handvoll“ der 350 Mitgliedsfirmen der Berliner Kfz-Innung sind noch im freiwilligen Tarifverbund. Die Innung ist 2005 aus der Tarifbindung ausgetreten, seitdem zahlen die allermeisten Betriebe der Region, was sie wollen. „Viele liegen unter dem Flächentarif“, räumt Lotz ein. Ein höherer Tarifabschluss hätte zumindest ausstrahlende Wirkung. Geschätzte 800 Kfz-Firmen gibt es in Berlin, darunter viele Hinterhofschrauber mit ein oder zwei Mitarbeitern.

Zählten Berufe im Kfz-Gewerbe früher bei Schulabgängern zu den Top-Favoriten, büßen die Jobs wegen der schlechten Bezahlung heute an Attraktivität ein. Fachkräfte werden gesucht. „Wer sich mit Dumpinglöhnen am Markt behaupten will, wird gnadenlos scheitern“, argumentiert die IG Metall. „Das Rennen um die guten Leute hat längst begonnen“, sagt auch Anselm Lotz. Hinzu kommt das ostdeutsche Lohngefälle – zwischen Berlin, Brandenburg und Sachsen sowie im Vergleich zu den westdeutschen Autostandorten. „Das Monatseinkommen liegt mit 1930 Euro in Brandenburg rund 160 Euro unter dem Berliner Niveau“, rechnet die Gewerkschaft aus. In Sachsen betrage der Abstand zum nahen Bayern rund 140 Euro – bei gleichen Verrechnungssätzen für den Kunden. Die IG Metall wünscht sich eine stufenweise Angleichung. Die Arbeitgeber werden am Dienstag erklären müssen, was sie – 20 Jahre nach der Einheit – davon halten. Henrik Mortsiefer

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