Wirtschaft : Globale Mega-Börse kann kommen

Aufsichtsräte in Frankfurt und New York stimmen zu

Frankfurt am Main - Der Zusammenschluss zur größten Börse der Welt ist vorbehaltlich der Zustimmung der Aktionäre und der Aufsichts- und Kartellbehörden unter Dach und Fach. Die Aufsichtsräte der Deutschen Börse und der New Yorker und Pariser Börse (NYSE Euronext) stimmten am Dienstag dem Zusammenschluss zu, der zum Jahresende umgesetzt werden soll.

Dazu gründen beide Unternehmen eine neue Obergesellschaft mit rechtlichem Sitz in den Niederlanden, deren Aktien in New York, Frankfurt am Main und Paris gelistet werden. Hauptsitze des Unternehmens sind New York und Eschborn bei Frankfurt. Die Börsen an der Wall Street, in Frankfurt, Paris sowie die dazu gehörenden Börsen in Amsterdam, Brüssel und Lissabon bleiben erhalten und arbeiten wie bisher. Verwaltungsratschef des neuen Unternehmens wird Reto Francioni, der Chef der Deutschen Börse, Vorstandsvorsitzender wird Duncan Niederauer, Chef der NYSE Euronext.

Mit einem Jahresumsatz von 4,1 Milliarden Euro, einem Gewinn vor Steuern und Zinsen von 2,1 Milliarden Euro und einem Börsenwert von rund 18 Milliarden Euro entsteht das größte Börsenunternehmen der Welt. Auf einen Namen konnten sich beide Seiten bislang allerdings noch nicht verständigen. Die jährlichen Synergie- und Einsparpotenziale werden mit rund 300 Millionen Euro beziffert. Dies trifft in erster Linie die IT, die Abwicklungsbereiche, den Betrieb der Handelsplätze und die Verwaltung.

Damit droht auch in Frankfurt ein Stellenabbau. Allein am Main arbeiten in der IT rund 1500 Mitarbeiter. Insgesamt beschäftigt die Deutsche Börse 3600 Menschen. Zudem erwarten Niederauer und Francioni durch die Fusion zusätzliche Umsätze von mindestens 100 Millionen Euro pro Jahr. Im Gegenzug rechnen die Manager mit Restrukturierungskosten zwischen 450 und 600 Millionen Euro.

„Mit der Fusion werden wir die globalen Kapitalmärkte künftig anführen und in puncto Wachstum, Qualität und Marktabdeckung neue Maßstäbe setzen“, sagte Francioni. Er versicherte, dass die neue Börse „auch in Zukunft die weltweit transparenteste und am besten regulierte Handelsplattform“ bleibe. Niederauer zufolge sei die Börse auch eine Antwort auf die steigende Präsenz alternativer Handelsplattformen, die weniger transparent arbeiteten und deutlich weniger Regeln unterlägen. Insgesamt entstehe eine Börse mit der mit Abstand größten Liquidität für amerikanische und europäische Aktien.

Den Aktionären der Deutschen Börse soll noch in diesem Jahr ein öffentliches Übernahmeangebot zum Umtausch ihrer Aktien in einen gleichen Anteil neu auszugebender Aktien der Holding unterbreitet werden. Am Ende sollen sie 60 Prozent an der neuen Obergesellschaft halten. ro

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