Glühlampenverbot : „Jeder Kauf freut die Lobby“

Marktwächter Holger Dickert über die Schlupflöcher in der EU-Verordnung.

Kevin P. Hoffmann
Holger Dickert (39) ist Diplomingenieur für Elektrotechnik und als Dezernatsleiter bei der Eichdirektion in Hessen für Marktüberwachung zuständig. Foto: Eichdirektion Hessen
Holger Dickert (39) ist Diplomingenieur für Elektrotechnik und als Dezernatsleiter bei der Eichdirektion in Hessen für...Foto: Eichdirektion Hessen

Herr Dickert, in Geschäften und im Internet kann man problemlos weiter Glühlampen mit jeder Wattzahl kaufen. Legal?

Es kommt darauf an. Die konventionellen Glühlampen dürfen nur noch abverkauft werden und werden allmählich aus den Regalen im Einzelhandel verschwinden. Da wittern einige ein Geschäft, bestellen Lampen im Internet in Asien, um sie hier zu verwenden oder zu verkaufen. Diese Leute sollten wissen, dass sie als Importeur und Inverkehrbringer umfassend haften müssen, sollte damit irgendwo ein Schaden entstehen.

Kunden können doch einfach in den Baumarkt gehen?

Ja, weil Hersteller und Händler in der EU-Verordnung das Schlupfloch mit den Speziallampen entdeckt haben und es ausgiebig nutzen.

Was taugen diese Speziallampen?

Technisch sind sie ein wenig anspruchsvoller, zum Beispiel stoßfest – aber sogar noch ineffizienter als die klassischen Glühlampen, weil der Glühdraht dicker ist. Und sie sind viel teurer. Jeder Kauf freut die Lampenlobby besonders.

Kann man sie wirklich überall einsetzen?

Ja, da die meisten in jede übliche Fassung passen. Deshalb hoffen wir, dass diese Gesetzeslücke bald geschlossen wird. Speziallampen sollte man nur dort einsetzen, wo es keine Alternativen gibt: in Öfen oder Saunas zum Beispiel.

Aber wer soll das kontrollieren?

Eine vollständige Kontrolle kann natürlich keine Behörde leisten. Theoretisch könnte man spezielle Sockel und Fassungen für Speziallampen verpflichtend machen, damit diese nicht in Haushalten verwendet werden. Die Hessische Eichdirektion prüft auch Speziallampen auf korrekte Kennzeichnung.

Ist das realistisch?

Vorerst wohl nicht. Der Grundfehler der EU-Verordnung ist, dass man den Freiheitsdrang der Bürger unterschätzt hat und die Energiesparlampe zu früh zur Pflicht gemacht hat. Es dürfte noch zehn Jahre dauern, bis die Glühlampe wirklich aus dem Alltag verschwindet.

Ist die Sparlampe so schlecht wie ihr Ruf?

Nein. Alle reden immer vom Quecksilber darin. Das führt in die Irre. Denn indirekt verhindert die Lampe den Ausstoß viel größerer Mengen Quecksilber, da sie dazu beiträgt, dass weniger Kohle verstromt wird. Wer die Energiesparlampe nicht mag, kann heute auf LED oder OLED ausweichen. Die machen schöneres Licht. Die Einführung der EU-Verordnung hat einen Innovationsschub bewirkt. Jeden Monat werden verbesserte Produkte auf den Markt gebracht. Der Verbraucher wird dies honorieren.

Holger Dickert (39) ist Diplomingenieur für Elektrotechnik und als Dezernatsleiter bei der Eichdirektion in Hessen für Marktüberwachung zuständig.

Die Fragen stellte Kevin P. Hoffmann.

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