Wirtschaft : Goldanleger müssen nicht blechen Nur Sammler zahlen Umsatzsteuer

Christian Backe

Berlin. Wer in der EU Gold kauft, zum Beispiel als Barren oder in Form von Münzen, muss dafür keine Umsatzsteuer abführen. So will es die sechste EU-Mehrwertsteuerrichtlinie, die am 1. Januar 2000 deutsches Recht wurde. Einen vernünftigen Grund dafür, warum Europa Goldspekulanten subventioniert, hat das Bundesfinanzministerium nicht – nur den, dass „die Anlage von Gold mit anderen Finanzanlagen vergleichbar ist, die ebenfalls umsatzsteuerfrei sind. Deshalb erschien die Steuerbefreiung von Umsätzen aus Anlagegold die geeignetste steuerliche Behandlung.“

Außerdem muss zur Begründung der Umsatzsteuerbefreiung für Gold herhalten, dass das Ministerium und die EU „die internationale Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Goldmarktes verbessern“ wollen. Man befürchtet nämlich, die Anleger würden ihr Kapital in Steuerparadiese wie die Schweiz oder Liechtenstein tragen und dort Gold kaufen, wenn man Umsatzsteuer erhöbe. In der Schweiz und Liechtenstein wird für den Goldkauf keine Steuer erhoben. Wie hoch der jährliche Umsatz von Anlagegold in Deutschland ist – das heißt, wie viel Steuern dem Fiskus jährlich entgehen – weiß man weder im Finanzministerium noch beim Bundesverband deutscher Banken.

Nicht von der Steuer befreit sind allerdings Schmuckgold sowie Goldmünzen, für die Münzhändler mehr als 180Prozent des reinen Metallwertes bezahlen. Der Bundesverband deutscher Münzhändler findet das mehr als merkwürdig: Denn erst wenn eine Münze mehr als 250 Prozent des Metallwertes kostet, gilt sie dem Staat als Sammlerstück. Und beim Kauf oder Verkauf von Sammlerstücken werden dann nicht volle 16 Prozent sondern nur sieben Prozent Umsatzsteuer fällig.

Aber was genau ist dann eine Goldmünze, die, zum Beispiel, 236 Prozent ihres Metallwertes kostet? Sie ist kein Anlageobjekt, denn sie ist nicht von der Steuer befreit. Sie ist aber auch keine Sammlermünze, für die ein Umsatzsteuersatz von sieben Prozent gezahlt werden müsste. Sie bringt dem Staat bei Kauf oder Verkauf Geld: Volle 16 Prozent Umsatzsteuer.

Subventionsland Deutschland – in dieser Serie berichtet der Tagesspiegel über die milliardenschweren Wohltaten des Staates für Bürger und Wirtschaft. In der nächsten Folge: Ein Programm für den Gartenbau.

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