Goldman Sachs : Frankenstein lebt

Goldman Sachs bestreitet, Gewinn aus der Krise gezogen zu haben. Im Zentrum der Betrugsklage der US-Finanzaufsicht SEC gegen die Bank Goldman Sachs steht nun der französische Wertpapiermanager Fabrice Tourre.

Im Visier. Goldman Sachs soll seine Anleger getäuscht haben.
Im Visier. Goldman Sachs soll seine Anleger getäuscht haben.Foto: dpa

Washington E-Mails des 31-Jährigen zeigen, dass er schon früh um die hohen Risiken von komplexen Immobilienpapieren wusste, die Goldman seinen Kunden laut SEC verschwiegen hat. Tourre verglich die von ihm mitgeschaffenen Papiere schon Anfang 2007 mit dem Monster Frankenstein. Am heutigen Dienstag soll er vor dem US-Senat aussagen.

Tourre hatte das Investmentpapier „Abacus 2007-AC1“ mitgeschaffen und war für seine Verwaltung zuständig. Bei dieser sogenannten besicherten Schuldverschreibung (CDO) handelt es sich um ein Konstrukt, bei dem Immobilienkredite zu neuen Wertpapieren gebündelt wurden. Eigentlich sollten damit Zahlungsausfälle einzelner enthaltener Immobilienkredite auffangen werden. Doch weil die Banken in den USA zu viele Kredite an Schuldner vergaben, die ihre Raten nicht mehr begleichen konnten, verloren auch die CDOs massiv an Wert. Da sie international gehandelt wurden, wurde die US-Immobilienkrise schnell zur weltweiten Finanzkrise.

„Das Gebäude insgesamt droht in jedem Moment zusammenzubrechen“, schrieb Tourre in einer Mail schon am 23. Januar 2007. Die Finanzprodukte seien geschaffen worden, „ohne unbedingt alle Folgen dieser Monstrositäten zu verstehen“. Das von ihm mitentworfene Papier sei „für absolut nichts gut“, hieß es sechs Tage später. Niemand könne den Preis für ein solches Risikopapier wirklich einschätzen. „Es schmerzt, das mitten im Flug explodieren zu sehen“, schrieb Tourre. „Es ist ein bisschen wie mit Frankenstein, der sich gegen seinen Erfinder wendet.“

Derweil weist Goldman Sachs den Vorwurf zurück, die Immobilienkrise für Geschäfte genutzt und so verschärft zu haben. Die Bank habe keinen bedeutenden Gewinn aus der Krise gezogen, sagte ein Sprecher. 2007 und 2008 hätten die Geschäfte mit Finanzprodukten aus gebündelten Immobilienkrediten der Bank sogar einen Verlust von mehr als 1,2 Milliarden Dollar beschert. Aus den nun vom US-Senat veröffentlichten Dokumenten geht jedoch hervor, dass Goldman auf einen Verfall der Immobilienpreise spekulierte und davon profitierte. (AFP)

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