Wirtschaft : Goldpreise: Kommt der Glanz zurück?

Veronika Csizi

Immer mehr Experten sind davon überzeugt, dass die 20-jährige Gold-Baisse vor ihrem Ende stehen könnte. Gegen den Trend an den Börsen sind die Aktien der Goldförderer respektabel gestiegen. Einzelne Minenpapiere wie beispielsweise die US-Gesellschaft Homestake Mining verdoppelten ihren Börsenwert seit dem Spätherbst 2000 sogar. Der Goldpreis selbst ist zwar seit Anfang April nur von 255 auf aktuell knapp 270 Dollar je Unze gestiegen. Branchenkenner wie der Chefgoldhändler der Dresdner Bank, Wolfgang Wrzesnio-Roßbach, halten jedoch eine Preisrallye für "gut denkbar".

An einen kurzfristigen Anstieg um 30 bis 40 Dollar je Unze, mittelfristig sogar noch deutlich höher, glaubt auch Pierre Martin, Manager des Goldminenaktien-Fonds der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS. "Es ist etwas im Busch - was, wissen sogar die Goldtrader nicht genau," sagt Martin. Fakt sei jedenfalls, dass eine ganze Reihe von Hedge-Fonds größere Short-Positionen geschlossen hätten, also nicht mehr auf fallende Kurse spekulierten. Gleichzeitig seien die Leihgebühren für Gold deutlich angestiegen. Drittens hätten die Notenbanken inzwischen einen beträchtlichen Anteil der geplanten Goldverkäufe realisiert.

Bis 2003 dürfen die westlichen Währungshüter - so sieht das Washingtoner Abkommen zur Stabilisierung des Goldpreises von 1999 vor - insgesamt nur noch 800 Tonnen auf den Markt werfen. Und viertens stehe der zersplitterte Goldschürf-Markt vor einer Neuordnung: Der schwache Goldpreis zwinge kleinere Minen zu Fusionen und Schließungen. Bis 2003, sagt der Experte der Deutschen Gesellschaft für Wertpapiersparen Martin, werde die Goldproduktion deswegen um 100 Tonnen sinken. Gold, so Martin, werde folglich knapper.

Der Goldexperte macht eine einfache Rechnung auf: Jährlich werden von den großen Minengesellschaften in Südafrika, den USA und Kanada rund 2600 Tonnen Gold produziert. Hinzu kommen auf der Angebotsseite 600 Tonnen Altgold-Recycling, 500 Tonnen von allen Notenbanken weltweit und 300 Tonnen, die die Minen als Vorausverkäufe künftiger Produktionen zur Absicherung (zum Hedging) des Preises auf den Markt bringen. Den 4000 Tonnen im Angebot steht eine Nachfrage von 3900 Tonnen gegenüber. Sinken oder fehlen die Verkäufe der Notenbanken und gehe die Produktion zurück, so Martin, komme es zur Preisexplosion.

Gleichzeitig steige die Nachfrage: Steigende Preise inspirierten Großinvestoren zum Kauf. 75 Prozent der Weltgoldförderung geht nach Asien, wo Gold als sichtbares Zeichen des sozialen Aufstiegs gilt. In Vietnam liegt der Goldverbrauch mit 60 Tonnen über dem der Deutschen mit 50 Tonnen. 25 Prozent der Weltförderung gehen allein nach Indien, wo gerade Heiratssaison ist und deshalb tonnenweise Gold gebraucht wird. Verbessert sich die wirtschaftliche Lage in Südasien weiter, wird der Goldverbrauch stark steigen.

Das Problem bleibt nur: Hartnäckig hält sich auf den Märkten das Gerücht, die Notenbanken hielten einvernehmlich mit den großen Geschäftsbanken den Goldpreis künstlich im Tief. Der Hintergrund: Die Notenbanken verleihen Gold an Großinvestoren, vor allem Banken, zu relativ niedrigen Raten zwischen einem und zwei Prozent pro Jahr. Damit können sie wenigstens für einen Teil ihrer Goldreserven, die sonst keinerlei Zinsen abwerfen, eine Mini-Rendite erzielen. Die Banken verkaufen das geliehene Edelmetall und drücken damit den Preis. Das erlöste Geld legen sie beispielsweise in sechsprozentigen Rentenpapieren an und hoffen, dass sie das Gold am Ende der Leihfrist zum niedrigeren Preis zurückkaufen können. Zur Absicherung der Rückkaufpreise schließen sie teilweise Terminkontrakte mit den Minen, die ihrerseits damit mehr Preissicherheit erhalten. Anhänger der Verschwörungstheorie der Notenbanken gegen den Goldpreis beziffern die Goldleihe auf rund 10 000 Tonnen. Eine Goldstudie der Baden-Württembergischen Bank spricht von 5000 Tonnen.

Die Aktien der Goldminen profitierten von Preissteigerungen meist schnell. Käufe sollten wegen der geringen Volumina allerdings streng limitiert werden. Relativ risikolos seien die großen amerikanischen und kanadischen Minen wie Homestake Mining, Barrick Gold oder Placer Dome, raten Experten. Homestake liegt mit 2,2 Millionen Unzen Jahresproduktion zwar deutlich unter den 7,3 Millionen Unzen des südafrikanischen Weltmarktführers Anglogold, könnte von steigenden Goldpreisen aber schneller profitieren, da kaum vorausverkauft wurde. Gerüchte, Anglogold werde sie schlucken, haben die Aktien der australischen Normandy Mining seit Anfang April um knapp 40 Prozent in die Höhe getrieben. Normandy notiert damit - wie die meisten Goldminen - auf Jahreshoch. Ein Ende der Minen-Hausse sieht DWS-Experte Martin "vorläufig nicht", denn: "Steigt der Goldpreis um einen Dollar, dann steigen die Goldminen-Aktien um zwei bis drei Prozent."

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