Gräfin von Hardenberg : Die Gesellschaftsdame

Isa Gräfin von Hardenberg ist Berlins bekannteste Eventmanagerin. Jetzt feiert sie 20-jähriges Jubiläum.

Elisabeth Binder
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Isa Gräfin von Hardenberg (links) mit Farah Diba Pahlavi, der Ex-Kaiserin von Persien, bei einer Gala in Berlin. -Foto: dpa

Berlin - Berlins feinste Ich-AG feiert am heutigen Sonntag mit einem großen Empfang im „Grand Hyatt“ 20-jähriges Firmenjubiläum. Als Isa Gräfin von Hardenberg 1989 ein Gewerbe anmeldete, gab es die Event- und Galakultur, die heute selbstverständlich ist, so noch gar nicht. Am Anfang stand keine Geschäftsidee, sondern eine Marktlücke.

Eigentlich hatte Isa von Hardenberg nie vor, ihre Passion zum Beruf zu machen. Als sie 1984 nach Berlin zog, gab es kaum gesellschaftliches Leben, weder Privathäuser noch Unternehmen oder Institutionen luden zu Partys oder gar Galas. Die Mutter von vier Kindern begann, regelmäßig Open Houses zu veranstalten, vor allem auch für junge Leute.

Irgendwann bat der Inhaber einer hoch renommierten Galerie um Hilfe bei einem Dinner für Kunstsammler. Klar, da half sie gerne. Auch noch einmal, und dann noch einmal bei anderen Freunden. Bald rieten ihr die Freunde ganz dringend, ein Geschäft daraus zu machen. Gefälligkeiten kann man nur für einen begrenzten Zeitraum in Anspruch nehmen. Man wollte aber gerne für eine Dienstleistung zahlen, die bis dahin allenfalls von Hotels angeboten wurde. Die Nachfrage nach gut organisierten Veranstaltungen in der Art privater Feste war schon zu dem Zeitpunkt groß, als Isa von Hardenberg „ein paar Zettel ausfüllte und Visitenkarten machen ließ“, wie sie ihren persönlichen Start ins Unternehmertum heute beschreibt.

Der Zeitpunkt hätte freilich nicht besser gewählt sein können. Kurz nach dem Fall der Mauer explodierte die Nachfrage nach Veranstaltungen in Berlin. Plötzlich blickte die Welt auf die Stadt, jeder wollte hier etwas machen – auf möglichst originelle Weise. Zu ihren Kunden zählten bald große Unternehmen, wie Coca Cola, Merrill Lynch, J. P. Morgan, Mercedes, Sony, Jil Sander, BMW.

Gute Netzwerke und guter Geschmack bildeten das Grundkapital der jungen Firma. Als erfolgreiche Unternehmerin zieht sie längst selber die Blitzlichter auf sich. Geld zu verdienen stand, so wie sie es erzählt, anfangs gar nicht im Vordergrund, da ist sie ganz konservativ: „Mein Mann ernährt die Familie.“ Vielleicht ist diese innere Unabhängigkeit, das kompromisslose Festhalten am eigenen Stil, Teil des Erfolgs. Kunden, die sich nicht nach ihren Vorstellungen richten, akzeptiert sie erst gar nicht.

Der Banker Andreas von Hardenberg hat sich ins Geschäftliche nicht eingemischt. „Wenn ich mal einen Beitrag geleistet habe, dann eher etwas Schöngeistiges“, sagt er. Vor seiner Frau hat er großen Respekt: „Sie ist eine harte Verhandlerin.“

Am Anfang hatte die studierte Lehrerin nur eine feste Mitarbeiterin. Eine Buchhalterin kam regelmäßig nach Nikolassee in das Privathaus der Familie von Hardenberg, das gleichzeitig die Firmenzentrale war. Inzwischen hat sie 20 Angestellte und je nach Auftragslage viele feste freie Mitarbeiter im Einsatz. Die Umsätze liegen immerhin bei ungefähr fünf Millionen Euro im Jahr, in diesem Jahr etwas darunter, weil auch Hardenberg-Concept die Krise zu spüren bekommen hat.

Markenzeichen der Hardenberg-Events waren von Anfang an die hübschen jungen Hostessen. Bei ihr fanden die Kinder befreundeter Familien ihre ersten Jobs. Viele aus der ersten Generation sind längst in Amt und Würden. Kürzlich sprach sie ein Intendant an, der während des Studiums als Chauffeur bei ihr gejobbt hatte. Und letzte Woche half sie bei einer großen Vernissage. Die Galeristin hatte ebenfalls bei ihr als Hostess begonnen.

2001 schloss sie sich dem Agentur-Netzwerk Auratis an, das wiederum von einem amerikanischen Unternehmen aufgekauft wurde. „Das war ein Albtraum. Plötzlich mussten wir jeden Monat dicke Berichte schreiben, bekamen Ärger, wenn die Zahlen nicht gut genug waren und konnten nicht mehr allein entscheiden.“ Allein zu entscheiden war ihr wichtig. 2003 kaufte sie ihr Unternehmen zurück. Vier Jahre später verkaufte sie 80 Prozent der Firma an „ein nettes Schweizer Unternehmen, das uns nicht reinredet, aber gute internationale Kunden bringt“.

Neben den Events bietet sie Benimm-Coaching für Topmanager an und richtet auch schon mal entsprechende Seminare für große Hedgefonds aus. Dass sie etwas teurer ist als die Mitbewerber, sagt sie zufrieden mit selbstbewusstem Lächeln. Längst ist das Unternehmen international tätig. Ölscheichs mag sie als Kunden besonders gern, weil deren Budgets nicht so begrenzt sind. Wenn ihr die Kunden gefallen, organisiert sie auch in Wien, Rom oder London Feste. Talkshows meidet sie nach Möglichkeit, da hat sie zu viel Lampenfieber. Das Firmenjubiläum begeht sie am Potsdamer Platz, genau dort, wo sie vor zehn Jahren die 2500-Gäste-Party zur Eröffnung des Musical-Theaters organisiert hat. Damals staunten die Gäste von außerhalb noch, wie elegant Berlin an diesem neuen Platz plötzlich wirkte.

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