Griechenland kehrt an Kapitalmarkt zurück : Ein Wunder mit Fragezeichen

Athen feiert die Rückkehr an den Kapitalmarkt – der Besuch der Kanzlerin soll das Comeback krönen.

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Gefragte Griechen. Finanzminister Ioannis Stournaras zeigte sich nach der erfolgreichen Herausgabe der Staatsanleihe zufrieden.
Gefragte Griechen. Finanzminister Ioannis Stournaras zeigte sich nach der erfolgreichen Herausgabe der Staatsanleihe zufrieden.Foto: Reuters

„Wir sind wieder da“, verkündet der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras. Am Donnerstag ist das Land mit großem Erfolg an den Kapitalmarkt zurückgekehrt – und hat mit der Herausgabe einer fünfjährigen Staatsanleihe drei Milliarden Euro eingenommen. 500 Millionen Euro mehr als geplant. Was Samaras sagen will: Das Krisenland kriegt die Kurve. Das scheint auch Angela Merkel (CDU) zu glauben. Die Kanzlerin kommt an diesem Freitag für sechs Stunden nach Athen.

Die Blitzvisite hat eine große symbolische Bedeutung. Schließlich war es Merkel, die zu Beginn der Griechenlandkrise öffentlich mit dem Gedanken spielte, das Land aus der Euro-Zone hinauszuwerfen. Nun erklärt die Kanzlerin, sie sei „froh, dass Griechenland im Euro geblieben ist“. Das Comeback am Kapitalmarkt einen Tag vor dem Besuch passte da perfekt ins Timing.

Am Donnerstag detonierte eine Autobombe nahe der Zentralbank

Hätte es da am Donnerstagmorgen nicht in Athen einen großen Knall gegeben. Kurz vor sechs Uhr detonierte nahe der Zentralbank eine Autobombe. Es blieb bei Sachschäden. „Offensichtlich versucht jemand, die Agenda zu wechseln“, sagte Regierungssprecher Simos Kedikoglou, „aber wir werden nicht zulassen, dass die Terroristen ihr Ziel erreichen.“ Den Tätern gelang es tatsächlich nicht, die Bond-Emission zu stören: Die Nachfrage war riesig, die Anleihe mehr als achtfach überzeichnet. Das erscheint wie ein Wunder. Schließlich befand sich Griechenland noch vor zwei Jahren am Rande des Staatsbankrotts. Aber es ist ein Wunder mit Fragezeichen.

Bei der Haushaltskonsolidierung meldet Athen große Fortschritte. Der Fehlbetrag im Budget betrug 2009 schwindelerregende 15,6 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP). In diesem Jahr sollen es nur noch 2,3 Prozent sein. Und ein Jahr früher als erwartet verzeichnete Griechenland bereits 2013 in der Primärbilanz des Haushalts, die den Schuldendienst ausklammert, einen Überschuss von 2,9 Milliarden Euro. Zum ersten Mal seit 1948 hat Griechenland im vergangenen Jahr auch in der Leistungsbilanz einen Überschuss erwirtschaftet.

Mit den Reformen ist Athen noch im Rückstand

Diesen Erfolgen stehen aber Versäumnisse gegenüber. Mit den Strukturreformen ist Athen immer noch im Rückstand. Dabei wäre gerade eine zügige Umsetzung der Reformagenda wichtig, um die Konjunktur anzukurbeln. Griechenland steckt im sechsten Jahr der Rezession. Seit 2008 hat es ein Viertel seiner Wirtschaftskraft eingebüßt. Die Realeinkommen sind um fast 40 Prozent zurückgegangen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 27 Prozent. Laut Eurostat ist fast jeder vierte Einwohner von Armut bedroht.

Immerhin gibt es jetzt einige positive Konjunktursignale. Die Industrieproduktion stieg im Februar gegenüber dem Vorjahr um 1,7 Prozent. Das Wirtschaftsklima ist so günstig wie zuletzt im Sommer 2008. In diesem Jahr soll die Wirtschaft um 0,6 Prozent wachsen, für 2015 erwartet die Troika ein Plus von 2,9 Prozent. Auch politisch ist das Land in ruhigerem Fahrwasser angekommen, trotz der Autobombe vom Donnerstag. Die Massenproteste und gewalttätigen Ausschreitungen scheinen der Vergangenheit anzugehören.

Die Schuldenlast ist immer noch erdrückend

Größtes Fragezeichen bleibt die erdrückende Schuldenlast. Sie liegt bei mehr als 175 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Schulden in dieser Größenordnung gelten als nicht tragfähig. Vor allem deshalb bekommt das Land von den Ratingagenturen die Note „nicht investitionswürdig“. Die Athener Regierung hofft nun auf Erleichterungen in Form niedrigerer Zinsen und längerer Laufzeiten für die bereits gewährten Hilfskredite.

Dass die Anleger sich am Donnerstag trotz Schuldenproblematik und schlechter Ratings um die neuen Papiere rissen, ist aber nicht überraschend. Eine Rendite von 4,75 Prozent ist vor dem Hintergrund der Niedrigzinsen im Euro- und Dollarraum sehr attraktiv. Die Anleihe wird überdies nach britischem Recht begeben, die Inhaber brauchen also keinen neuen Schuldenschnitt zu fürchten. Einziges Risiko bleibt im Grunde ein Staatsbankrott. Doch die Euro-Partner des Landes scheinen politisch entschlossen, eine Pleite Griechenlands abzuwenden. Auch das unterstreicht Angela Merkel mit ihrem heutigen Besuch in Athen. Damit bekommt die neue Anleihe eine Art Gütesiegel.

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