Wirtschaft : Größte Fusion der europäischen Geschichte

DÜSSELDORF/BONN (uso/abo/tor/HB).Die Deutsche Telekom und die Telecom Italia schließen sich zum größten Telefonkonzern der Welt zusammen.Obwohl eine offizielle Bestätigung noch aussteht, gilt es in Branchenkreisen als sicher, daß der Zusammenschluß am Dienstag in London bekannt gegeben wird.Es entsteht ein Unternehmen, das mit 300 000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 115 Mrd.DM erwirtschaftet.Bank-Analysten kritisierten den Zusammenschluß.Auch France Télécom sieht die Hochzeitspläne ihres deutschen Partners mit Unbehagen.

Es wäre auch die größte Fusion der europäischen Firmengeschichte.In getrennten Sitzungen berieten der Vorstand der Deutsche Telekom AG und der Verwaltungsrat der Telecom Italia die Details einer möglichen "industriellen Partnerschaft", wie die Unternehmen gestern mitteilten.Bei Redaktionsschluß dauerten die Beratungen noch an.Unklar blieb daher vorerst, wie die Form des Zusammenschlusses aussehen soll.Am heutigen Dienstag wollen die Vorstandsvorsitzenden beider Unternehmen, Ron Sommer und Franco Bernabè, die Einzelheiten in London vorstellen.

Der Handel mit den Aktien der Telecom Italia blieb gestern in Mailand ausgesetzt, Deutsche Telekom-Aktien verloren 0,10 Euro auf 37,70 Euro.Offenbar planen die Telekom-Manager eine Fusion unter Gleichen nach dem Vorbild DaimlerChrysler.Wie beim Zusammenschluß der Automobil-Konzerne solle Goldman Sachs die Federführung der Operation für die Deutsche Telekom übernehmen, war aus gut informierten Kreisen zu erfahren.Das Bankhaus Sal.Oppenheim ist ebenfalls erneut beteiligt.Bei DaimlerChrysler hatte die Bank mit der "Oppenheim AG" einen Unternehmensmantel zur Verfügung gestellt, aus dem sich später die neue DaimlerChrysler AG entwickelte.

Gegenspieler der Telekom ist der Olivetti-Konzern, der eine feindliche Übernahme der Telecom Italia betreibt.Auf einen Erfolg von Olivetti hofft Telekom-Konkurrent Mannesmann, Betreiber des Mobilfunknetzes D2 Privat und Olivetti-Partner, der am Erwerb von Teilen der Telecom Italia interessiert ist.Ein Mannesmann-Sprecher erklärte, die TI sei "ein sehr schwieriger Fall", der Umstrukturierung nötig habe.Man glaube immer noch, daß Olivetti das überzeugendere Angebot habe.Eine Lösung zeichnet sich auch für die Bedenken der italienischen Regierung gegen den hohen Anteil der Bundesregierung von 72 Prozent an der Deutschen Telekom ab.Danach könnte die Bundesregierung ihren Anteil zunächst mit einer Stimmrechtsbeschränkung versehen.Damit würde ihr Mitspracherecht nicht höher liegen als das der italienischen Regierung, die an Telecom Italia 3,4 Prozent hält.In einem zweiten Schritt habe die Bundesregierung zugesagt, ihren Anteil schneller als zunächst geplant zu verkaufen.

Gegenwind für das neue deutsch-italienische Telekom-Duo kam aus Frankreich.Moderat im Ton, aber überraschend deutlich sprach sich France Télécom S.A., die mit der Deutschen Telekom eine zweiprozentige-Überkreuzverflechtung hält, gegen die Kontakte zwischen den deutschen Partnern und Telecom Italia aus.Es sei im einzelnen noch zu früh, die Konsequenzen jener Annäherung für die Partnerschaft der France Télécom mit der Deutschen Telekom zu bewerten, hieß es in einer Pressemitteilung.In jedem Fall aber seien "die Vereinbarungen mit der Deutschen Telekom eindeutig - und unvereinbar mit einem einseitigen Strategiewechsel".

Bedrohlich könnte es für die Franzosen werden, wenn sie im Zuge einer Trennung von den Deutschen unter den großen Telefongruppierungen isoliert würden.So müßte sich France Télécom schnellstens einen neuen internationalen Partner suchen - in Paris wurde in diesem Zusammenhang sogleich die britische Cable & Wireless ins Spiel gebracht.

In Großbritannien haben die Fusionspläne von Deutscher Telekom und Telecom Italia die Diskussion über eine weitere Konsolidierung des dortigen Marktes neu belebt.Analysten in der Londoner City gehen davon aus, daß die beiden Telekom-Riesen bereits den Sprung über den Kanal planen.Weder die Deutsche Telekom noch Telecom Italia sind bislang auf dem britischen Markt vertreten.Als potentielle Übernahmekandidaten werden Cable & Wireless sowie die Mobilfunkanbieter One2One und Orange gehandelt.

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